Am Strand von Bukkemose

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Mitternacht klingelt der Wecker.

Aufstehen, packen, die Liebste küssen, alles ins Auto wuchten. Los geht es um kurz nach Zwei.

Freie Fahrt für Frühaufsteher*innen.

Kurz hinter Hamm fragt die Liebste: „Hast Du eigentlich die Hoftüre abgeschlossen? Oder wenigstens zugezogen?“

Nach kurzer Rekapitulation muss ich leider zugeben: „Nein. Hab ich verbaselt.“

„Zurückfahren?“

„Oh nö.“

Wir liegen wirklich gut in der Zeit, und noch sind die Straßen frei. Nein, entscheiden wir uns. Ich werde zwei Freunde kontaktieren, die das regeln sollen. Später. Jetzt schlafen sie noch.

Eine halbe Stunde bis Münster. Die Uhrzeit macht es möglich.

In der Raststätte Dammer Berge sind wir die einzigen Gäste.

Raststätten in der Nacht erinnern mich an meinen Tellerwäschejob in der Raststätte Würzburg.

Kaltes Bratenfett, Reinigungsmittel und abgekühlte Urlaubsvorfreude stecken in jedem Geruchsmolekül. In den Kellern laufen schon die Vorbereitungen für die Frühschicht. Müllpressen in der furchteinflößenden Müllpressmaschine, die blauen Tonnen mit Essensresten vom Vortag für die Schweinebauern und Seifensieder vor die Tür stellen. Säckeweise Kartoffeln schälen in der Schleudertrommel, in der nächsten Umgebung der Raststätte die Mülleimer leeren. Ab und an Geballere, in der Nacht besonders gut zu hören, von der Selbstschussanlage im Weinberg direkt neben der Autobahn.

In Dammer Berge dagegen ist es still. Die Daddel-Automaten blinken einsam, nur eine Servicekraft kümmert sich um Croissants, Brötchen und anderes, gebackenes Frühstücksgedöns. Selbt das Windrad vor der Raststätte schweigt in der Dunkelheit.

Hinter Bremen beginnt es zu dämmern.

Kurz vor dem Wachwerden träumte ich von dicken Nebelbänken rund um Lippstadt (eine alte Jugenderinnerung), hinter Bremen wabern sie im Wachzustand rechts und links der Autobahn.

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Kurz vor Hamburg ist es hell, der Verkehr nimmt zu. Bis jetzt war es ein fast autofreies Baustellenhopping, nach dem Elbtunnel ist es voll. Gehetzte Hanseaten rasen blinkerlos von rechts nach links und wieder zurück in die nächste Lücke, ohne Rücksicht auf Verluste.

Hinter Hamburg Fahrer*innenwechsel auf einem Parkplatz mit vollautomatischen Klos und einer Motte mit schöner Zeichnung.

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Das Baustellenhopping geht weiter bis kurz vor Dänemark.

„Hast Du dem Kevin schon geschrieben?“

„Mach ich gleich.“

„Können wir denn in Dänemark die Antwort empfangen mit unserem Tarif?“

„Hm.“

Es gibt tatsächlich wieder, wenn auch improvisiert, einen Grenzübergang nach Dänemark.

Ätzend.

Europa war doch mal grenzfrei.

Das Navi piept, die Karte verschwindet, das Deckblatt von Dänemark ploppt auf, die Karte erscheint wieder, und Peter, der Ansager für Richtungswechsel hört sich bei dänischen Namen etwas überfordert an. Die Radiosprecher*innen klingen betrunken.

Wir verlassen die Autobahn Richtung Fähre nach Langeland.

Die Dänen müssen ein kunstbeflissenes Völkchen sein. Auf jeder Insel im Kreisverkehr steht eine, immer eine andere, große Skulptur.

Die Häuser sind klein, geduckt, was dem stetigen Wind geschuldet sein mag. Die Straßen werden schmaler, aber den Dänen scheinen die eigenen Geschwindigkeitsbeschränkungen egal zu sein.

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An dem Fähranleger könnten wir mit Euros bezahlen, werden wir belehrt, würden aber nur Scheine, kein Kleingeld zurückbekommen.

Was für ein Humbug. Nationale Währung. Wo ist er hin, der europäische Gedanke? Wir zahlen mit Karte. Kapital kennt keine Grenzen.

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Die Fähre hat W-Lan, und kaum eingeloggt, kommen die Nachrichten von den zwei angeschriebenen Freunden, dass die Hoftüre jetzt abgeschlossen sei. Die Liebste ist erleichtert.

Nach fünfzig Minuten und ruhiger See erreichen wir die Insel Fyn. Kurz hinter dem Anleger ziehen wir aus einem Automaten Wikingergeld, und im angrenzenden Supermarkt besorgen wir uns Nahrung und Getränke. Das Münzgeld hat Löcher.

Soll man es sich um den Hals hängen?

Je näher wir dem Ziel kommen, desto schmaler werden die Straßen. Die erlaubten 50kmh scheinen sehr verwegen.

Die abgeschnittene Wolkenbank vor uns verspricht: Hier ist die Ostsee. Nach gut zehn Stunden erreichen wir irgendwo im Nirgendwo den Ort der Zusammenkunft der Großfamilie meiner Liebsten, zu der ich durch Liebe und Heirat auch gehöre.

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Lummerland, La-la-Land, Langeland, am Strand von Bukkemose.

Es hört sich an und liest sich auch ein wenig wie eine chronische Erkrankung, aber das sind nur die üblichen Vorurteile gegenüber der dänischen Sprache.

DSC02911.JPGEin Ferienhaus für acht Personen ausreichend, mit verbautem Blick auf den Strand, die Einrichtung recht neu und komplett Ikea.

Die Liebste und ich schlafen in einem klitzekleinen Raum außerhalb des Hauses, direkt neben der Sauna.

Sechs Erwachsene, ein achtjähriges Zwillingspaar und zwei Hunde.

Eigentlich bin ich ein Familienmuffel. Die Erfahrungen mit und die Erinnerungen an meine Familie haben diese Haltung entwickelt.

Um so schöner, dass ich mich in dem Familienverbund meiner Liebsten wohl fühle. Nicht so wohl, dass ich mein genetisch bedingtes Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein gänzlich hinter mich ließe.

Aber dafür gab es ja die Sauna und lange Spaziergänge.

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Skandalös allerdings, dass es in der gesamten dänischen Datschalandschaft um uns herum nicht ein Cafe, Kiosk oder wenigstens eine Parkbank mit Kaffeeausschank gab.

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Deshalb bat ich die Liebste irgendwann, mich in der nächsten Kleinstadt, sieben Kilometer entfernt, abzuwerfen. Dort sollte es zwei Supermärkte geben und Einwohner.

Und folgerichtig spürte mein Survivalmodul auch eine, die einzige Bäckerei, mit vier Stühlen und zwei Tische draußen, auf.

Der Kaffee scheußlich, das Gebäck mega zuckerig konzentriert, aber Sonne auf dem Bauch und genügend Tinte im Füller.

Der Rückmarsch in praller Sonne, flirrender Luft und hochsommerlicher Gerüche war, bis auf die zwei Blasen, an jedem Fußballen eine, entzückend.

Ohne Ende Landschaft.

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Am Ende gab es sogar noch ein Reh und einen toten Schweinswal.

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Doch, Langeland. Du bist ein schönes Fleckchen Erde. Aber zu weit weg vom Sauerland.

 

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Oschentoschen, oder Urlaub im Breisgau

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Zack.

Schon kocht das Blut auf großer Flamme.

„Ich muß hier raus. Hier werd ich aggressiv.“

Während die Liebste mit unserer Gastgeberin in einem französischen Supermarkt, mit den Außmassen einer Kleinstadt und dem Namen „Cora“, das Abendessen erlegt, bricht mein System friedfertiger Zurückhaltung nach exakt vierundsechszig Sekunden zusammen, überläßt mich meinen gewalttätigen Aggressionen, denen ich mich, nach der hektischen Schaukelei in der italienischen Fiatzitrone, in keinster Weise gewachsen fühle.

Also bin ich nach sechsundsechsig Sekunden wieder draußen.

Die Mädels können das gut alleine.

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Der hochglanzlackierte Holzfußboden im Einzelgeschäftsbereich innerhalb der Verbrauchsgüteranlage wirkt sich halluzinatorisch auf meine Psyche aus.

Sechzig Prozent der hiesigen Bevölkerung wähle Front National, meint unsere Gastgeberin, Faschistenscheiße meine ich, aber diese Info trägt auch nicht zu einer psychischen Verbesserung bei.

Aber wie bei Dylon Thomas: To begin at the beginning, bitteschön.

Fünf Tage Ending Urlaub mit der Liebsten. Besuch bei Freunden mit Blick auf den Kaiserstuhl.

Die Freunde sind über Ostern im Ruhrgebiet und nehmen uns auf dem Rücksitz des italienischen Dieselflitzers mit.

Je tiefer wir in den Süden vordringen, desto kälter wird es.

Noch eine Woche zuvor waren es siebenundzwanzig Grad, erzählt uns unser Gastgeber bei einer Zigarette auf dem Balkon.

Jetzt sind es maximal sieben Grad im wilden Breisgau.

Der Kaiserstuhl winkt nebelverhangen ins Wohnzimmer. Wir winken fröstelnd zurück.

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Am nächsten Tag, unsere Gastgeber haben uns ihr Bett überlassen und schlafen im Wohnzimmer auf einer aufblasbaren Matraze, nimmt uns die Gastgeberin, nach dem Frühstück in der Kleinststadt mit nach Frankreich zum Einkaufen.

Cora heißt der Supermarkt, in dem ich nach einer Minute und vier Sekunden die Fassung verliere und mich von den Damen trenne.

Draußen durchatmen, frische Luft, irgendwie realisieren, dass das hier Frankreich ist.

Der Storch auch dem Parkplatz hilft zwar nicht, beruhigt aber ein wenig meine Nerven.

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Drinnen wieder dieser glänzende Bootslackfußboden.

Die Stornofrauen tragen Rollschuhe und flitzen bei Bedarf zu den Kassen, machen dabei kräftig Kilometer, und wenn sie etwas Glitzer trügen, wäre es fast wie in einer Starlight-Inszenierung.

Es ist eindeutig Frankreich, da alle französisch sprechen.

In einer Brasserie bestell ich einen grand cafe noir et un croissant und stelle überrascht fest, dass es funktioniert.

Soviel sei gesagt: Die französischen Croissants schmecken um Längen besser als die deutschen. Und weil die Mädels noch brauchen: encore une fois.

Zurück über die mautfreie Autobahn, über Rhein 1 und Rhein 2 Richtung Ending, sieht unsere Gastgeberin aufgehängten, mit bunten, glänzenden Bändern geschmückten Reisig und biegt sofort, mit freudiger Erwartung in der Stimme, in die Richtungab, in der die Besenspitze zeigt.

„Besenwirtschaft. Besenwirtschaft“, wiederholt unsere Gasgeberin mantramäßig und erklärt, dass manche Weingute manchmal privat Essen verkaufen, wenn etwas übrigbleibt.

Die gefundene Besenwirtschaft allerdings ist ein Besenfake, weil professionelles Restaurant. Also ein Lockbesen. Dann hält sie an einer Eisdiele gegenüber eines Kirschenmuseums, und wenn die Kälte nicht wäre,…na ja.

Abends kocht sie uns ein richtig leckeres Essen, und nach Bier und Pastis reicht es dann auch für den Tag.

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Colmar. Stadt der Kunstharz-Freiheitsstatue, leckeren Croissants, alten Häuserzeilen, Ziegen vor der Kirche und dem Klostermuseum „unter Linden“.

Die Fachwerkhäuser am Anfang der Altstadt sind renoviert, je tiefer man geht, dest schmuddeliger werden sie. Aber es tut gut, mal wieder blinkende, französische Apothekenschilder, Tabak-Schilder oder Pastiswerbung zu sehen.

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Das Museum ist eine Wucht im Kloster.

Die Treppenhäuser, die alten und neuen Abteilungen, der Neubau an sich, der Kreuzgang mit Innenhof, sind schon sehenswert, die Exponate, von Pfeilspitze bis Monet, Picasso, Dix, Niklaus von Hagenau, Grünewald und wie sie alle heißen mögen, sehr beeindruckend.

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Nach sechs Stunden sind wir platt. Kunst kucken ist auch Arbeit.

Am Abend gibt es den großen Sternenhimmel.

Wenn auch „nur“ ein Stern, gehen wir zu Merkles in Ending. Sterneküche, wo man sie nicht unbedingt erwartet.

Es war ein Erlebnis an Geschmack und Genuß, und für meine Liebste und mich eine Premiere.

Allerdings ist das Einzge an Sternevokabular, das bei mir hängengeblieben ist, der mit Soja lackierte Pak Choi.

Der Rest ist in meiner Begeisterung für Essen und Trinken und im badischen Akzent leider untergegangen.

Deswegen heißt der Single malt, den unser Gastgeber und ich zum Abschluß trinken, auch Oschentosch. Natürlich heißt er nicht wirklich so, aber wir haben die Flasche fotografiert, weil der richtig lecker war und wir sicherlich die eine oder andere Flasche bestellen werden.

Am Donnerstag fahren die Liebste und unsere Gastgeberin nach Freiburg. Da ich aber keine Lust auf Wühlen im Waschbärdepot habe, bleibe ich mit mehreren Optionen zurück.

Schlafen, Spazierengehen, Fahrradfahren.

Es werden die ersten beiden Möglichkeiten.

Nach einem ausgiebigen Nickerchen beschließe ich, den fast Achttausender, in gerader Blickrichtung vom Balkon, diesen Tag zu besteigen.

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Es ist klar, kalt und sonnig, und nach einigen netten Innenstadtknipsereien mache ich mich auf den Weg zur Katharinenkapelle.

Wein, wohin man blickt. Überall grün, kaum Menschen, Schnee auf dem Schau-ins-Land und aufwärts geht es.

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Nach der Hälfte des Weges ist der Gedanke an ein Biwak an den steilen Hängen des Mischwaldes recht verlockend, aber nach einer angeregten Unterhaltung mit einem Mist- und einem Maikäfer entscheide ich mich stattdessen für einen Durchmarsch bis zum Gipfel.

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Die letzten fünfhundert Meter bin ich Lois Trenker: „Auffi geht’s, Buam“, und Wolfgang Ambros: „Vatter. Der Berg ruaft“ sehr nahe.

Oben steht eine geschlossene, kleine Kapelle und ein noch kleinerer, geschlossener Kiosk.

Vier weitere Wanderer sind schon da und drehen sich zu mir um, um zu sehen, wer da so schnauft.

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Die Aussicht nach Ending ist recht schlecht, da alles zugewuchert ist. Aber mir ist weniger nach Aussicht als mehr nach Luft schnappen. Ich bin ja keiner von den Pussies, die Sauerstoff auf den Achttausender mitnehmen Und von badischen Sherpas hab ich im Basislager nichts gesehen.

Zurück nehme ich einen anderen Abstieg, überlege kurz, ob ich dem Kräuterpfad folgen soll, das wäre aber ein Umweg nach Ending. Lieber nicht. Ich will die Reserven nicht restlos aufbrauchen. Also rechts in den Hohlweg, was keine schlechte Entscheidung ist. Der Weg wirkt, als hätte man ihn aus dem Berg geschnitten. In die Wände aus festem Sand haben Jugendliche der Umgebung Herzchen, Liebesbotschaften oder Fangeschwafel geritzt.

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Am Ende des Weges komme ich genau an der Stelle heraus, an der ich den Aufstieg begann. Perfekt. Es ist jetzt nicht mehr weit bis zum Basislager. Das Bett ruft, die Knochen knirschen, ein ausgewachsener Muskelkater wird geboren. Oh je. Und der Tag der körperlichen Urlaubsbelastung liegt noch vor mir. Morgen. Dann geht es nämlich nach Rust in den Europapark.

Kurz vor neun starten mein Gastgeber und ich ohne Frühstück. Rust liegt um die Ecke.

Vor eineinhalb Jahren schenkten mir Gastgeberin und Gastgeber einen Eintrittskartengutschein für zwei Personen für eben diesen Park. Da aber meine Liebste kein Fan von Achterbahnen ist, fahren der Gastgeber und ich, um das Geschenk einzulösen. (Am Ende des Tages nennen wir uns gegenseitig CoasterBuddy.)

Es gab den Tipp, antizyklisch vorzugehen, und gleich zu Beginn die Parkbahn zu nehmen, um am Ende des Parks mit der Achterbahn zu beginnen. Diesen Tipp lese ich auch einen Tag später in der Zeitung der DB.

Kein guter Tipp, wie sich herausstellt. Wir beginnen mit Wodan, der Holzbahn im mystischen Island. Ein bißchen Mordor, etwas Thor und Odin, viel dunkles Gewisper und fünfzig Minuten Anstehzeit.

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Rasant und rappelig, nicht unbedingt zwei Worte, die ich zusammen in Verbindung mit Achterbahnen sehe, geht es rauf und runter. Eine gute Einstimmung mit nüchternen Magen für den Tag. Nachdem Wotan uns ausgespuckt hat, landen wir direkt bei GazProm, dem Sponsor der nächsten Bahn. Würde Exkanzler Schröder hier den Streckenwärter machen, ich wäre nicht überrascht. Außerdem drängt sich uns die Frage auf, was GazProm mit Island zu tun hat. Die Bahn allerdings ist knorke. Looping, Längsdrehungen um die eigene Achse mal rechts, mal links, knapp vorbei an Halsbrecherisch und wirklich jaaaaa. Anstehzeit fünfundvierzig Minuten.

Der Park ist jetzt wirklich voll. Unmengen von Menschen in dieser perfekten Scheinwelt. Keine Wasserbahn, sagen wir uns. Wir wollen nicht den Rest des Tages mit nassen Klamotten herumlaufen. Also weiter zu den Russen.

Leider ist die Mir geschlossen. Schade. Ich hätte gerne den exakten Nachbau der Friedensraumstation gerne von innen gesehen. Also stellen wir uns bei der Bahn an. Fünfundvierzig Minuten. Man sieht nicht viel von der Bahn, und gefährlich sieht das, was man sieht, auch nicht aus. Diese Meinung ändert sich schlagartig, als wir indoor den Raketenkorpus nach oben umrundet haben und ins Freie rollen. Die Wagen drehen sich, der Blick geht barrierefrei tief nach unten. Wir haben das zweifelhafte Vergnügen, den Großteil der steilen Abfahrten und Kurven rückwärts zu erleben, und als wir aussteigen, sind wir Coasterbuddies uns einig, dass das heftig war. Endlich zittern die Knie. Jetzt verlangt der Magen dringend eine Stärkung. In der Schweiz gibt Käse und Brot für meinen Buddy und Omas Apfelkuchen und Kaffee für mich. Es dauert allerdings nicht lange, bis uns das Schweizer Gejodel und Gedudel gehörig auf den Sack gehen. Trotzdem probieren wir nach der ersten Verpflegung die Bobbahn. Anstehzeit fünfzehn Minuten. Warum die Umstehenden lachen, als ich mich vor meinen Buddy, der schon sitzt, in den Bob quetsche, bleibt uns verborgen. Aber die Stimmung ist gut und die Bahn so na ja. Schweiz halt.

Jetzt aber. Wir sind hier wegen Geschwindigkeit. Temporausch. Das verspricht der Silver Star mit fünzig Minuten Wartezeit. Nico Rossberg lobt die Bahn, erzählt aus großen Bildschirmen, dass es ein Feeling wie Rennfahren sei und wir würden jetzt seine Welt erleben. Die Umgebung ist das perfekte Werbeumfeld für Mercedes Benz und die Geräusche von vorbeirasenden Rennmaschinen stimmt uns langsam auf die Bahn ein. Vier Minuten soll die Fahrt dauern, zwanzig Sekunden Schwerelosigkeit wird uns versprochen und G-Kräfte wie in einem Rennauto. Der Start ist ähnlich mit Ampeln geregelt wie bei einem richtigen Rennen. Als dann endlich alle Lampen grün leuchten, verschaltet sich Herr Rossberg, Wir starten im dritten Gang, langsam hoppel, ruckel, nicht wie bei GazProm, wo wir rausgeschossen wurden, dann geht es siebzig Meter steil aufwärts und ab in den freien Fall. Alles ist geschmeidig, geleckt, wie man es von Benz nicht anders erwartet, und an den Griffen sind sogar Pulszähler. Meine Pulsbreite liegt zwischen neunzig und hundertzwanzig, bei meinem Buddy ähnlich. Wenn das einem Rennerlebnis gleichkommen soll, werd ich auch Rennfahrer.

Bei den Griechen, Pegasus läßt grüßen, beginnt die Virtualität. Wir zahlen einen kleinen Extraobolus für die VR-Brille und fahren damit Achterbahn. Das hat etwas. Kaum beginnt die Fahrt, werden wir alle zu Comicfiguren, und als die echte Achterbahn steil abwärts fährt, vermittelt uns die Brille, dass die Schienen weggebrochen sind und wir in einen Abgrund stürzen. Zum Glück kommt der Sohn des Frankenstein, fängt uns auf und geleitet uns in den sicheren Hafen. Wenn auch noch ausbaufähig, beeindruckt diese Kombination von virtuell und real doch sehr. Das gilt auch für den Alpenexpress, auch wenn es da nicht ganz so fluppte.

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Nachmittagspause mit Fish&Chips. Mein Coasterbuddy schwärmt von der Detailversessenheit innerhalb dieser künstlichen Welt, muß dann aber doch lachen, da die Fakezeitung, in der das Essen serviert wird, eine Leipziger Zeitung von 1930 darstellen soll.

Nach den Chips mache ich den Vorschlag, doch in die Arthur und die Minimoysbahn zu gehen, was sich als fataler Fehler herausstellt. Anstehzeit fünfundreißig Minuten, zeigt das Schild, aber es dauert mindestens doppelt so lange, und die Bahn ist dann doch eher was für Kinder.

Um Sechs werden wir von unseren Liebsten kontaktiert, wann und wo wir uns denn zum Abendessen treffen wollen, und halb acht in der hiesigen Tapasbar ist ein vernünftiger Vorschlag. Das reicht für mindestens eine Fahrt mit langen Anstehzeiten, die aber gar nicht mehr so lang sind, da sich der Park doch merklich geleert hat. Wir entscheiden uns für die Russen, weil am beeindruckendsten, aber beim zweiten Mal, wieder größtenteils rückwärts, ist der Schreck verflogen und es ist nur noch gut.

In der Tapasbar ist auch Achterbahn, wenigstens bei zwei Servicekräften. Die Datteln im Speckmantel sind aus, niemand hat Stockfisch bestellt, der Kaffee für die Liebste ist so falsch wie die Mariachi Band oder die Flamencotänzer*innen.

Bei der Heimfahrt bietet uns die badische Dorfidylle noch eine Überraschung, als wir an einem Veranstaltungshaus vorbeifahren, und einer Sporttanzgruppe beim Umkleiden zuschauen können.

Was für ein toller Tag, sagt mein Kopf, während der Muskelkater vom Vortag mindestens Drillinge bekommt.

Am nächsten Tag, nach einem ausgiebigen Frühstück nehmen wir den Zug und sind nach fünfmaligem Umsteigen trotzdem pünktlich daheim.

Was für eine tolle Woche. Mein großer Dank geht deswegen nach Ending zu unseren Gastgebern.

Merci vielmals.

Heringsdorf

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„Der Name klingt nett. Laß uns da Urlaub machen.“
„Aber Du magst doch keinen Fisch.“
„Da wird es auch bestimmt was anderes geben als Fisch.“
„In Heringsdorf?“
So, oder so ähnlich verlief die Unterhaltung vor circa drei Monaten zwischen mir und der Liebsten.
Mit dem Zug war es zwar eindeutig zu teuer, aber Heringsdorf auf Usedom klang so verlockend, dass wir uns entschlossen, mit dem Auto zu fahren.
Unsere erste Urlaubsreise mit dem Auto.
Das Navi bestimmt die Richtung, dann geht es eigentlich immer geradeaus.
Ein schwerer Unfall auf der A2 beschert uns auf der A1 eine Menge mehr an Fahrzeugen, inclusive einer Militärkolonne.
Hinter Hamburg wird es weniger, hinter Rostock wechselt der Straßenbelag ins Rötliche und die Ortseingangsschilder bekomen eine psychodelische Grelligkeit.
Der Baumbestand am Straßenrand hat für jedes Exemplar eine eigene Leitplanke. An einigen Bäumen hängen Kreuze.
Kein Meer rechts oder links, dafür ein Plakat mit freilaufenden Tigern auf Usedom.
Dann biegen wir einmal links ab und stehen in Heringsdorf auf dem Parkplatz Nr. 29 vom Hotel.
Wir checken ein, bekommen drei Schlüssel. Einen für die Schranke, einen fürs Zimmer, einen für die Haustüre und den Stellplatz Nr.27 fürs Auto.
„WLAN? Nein, tut mir leid. Das haben wir hier nicht. Aber die Touristeninformation hat einen Hotspot. Da zahlen Sie fünf Euro und bekommen ein Passwort. Parken Sie bitte noch Ihr Auto um. Die 29 ist reserviert.“
Das Zimmer im ersten Stock ist geräumig, mit Blickrichtung auf die Ostsee, die wir sehen könnten, wenn da nicht eine lange Häuserzeile stehen würde.

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Den versprochenen Seeblick findet die Liebste zwei Tage später abends beim Zappen durch die Fernsehkanäle. Ein Sendeplatz ist reserviert für eine alte schwarzweiß webcam, die die Ostsee, inclusive Wellen, Himmel und einen langen Steg mit Geschäften drauf zeigt.
Nachdem Hemden, Jacken, und Blusen aufgehängt, Kulturbeutel und Hygienekram im Bad deponiert sind, müssen wir uns etwas bewegen.
Acht Stunden Fahrt mit Pausen machen die Knochen steif.
Auf dem Weg zum Wasser kommen wir an der Touristeninformation vorbei.
Ich geh zum Tresen und frage eine Frau dahinter: “ Moinmoin. Äh, sagt man hier überhaupt moinmoin?“
Sie schaut mich streng an.
„Sie sind doch hier nicht im Westen.“
Der Ton erinnert an eine weichgespülte DDR-Grenzbeamtin. Mit der streitet man besser nicht.
Nein, erklärt sie, der Hotspot sei kostenfrei, aber ich müsste was mit einem guten Akku haben, denn dort, dabei zeigt sie auf einen Stuhl neben dem Tresen, gäbe es keinen Strom.
Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Wir gehen an den Strand.
Es riecht wie Meer, es rauscht wie Meer, Möwen kreischen, es ist Meer.
Meer mit breitem Sandstrand, Seegras, Muscheln und Dünen.
Hach.
Wir stapfen beseelt durch Sand und Muschelmulch, atmen berauscht salzige Meerluft und sind nach zehn Minuten so erschöpft, dass wir zum Hotel zurückwanken.

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Im Hotel gibt es ein Fischrestaurant und eine Pizzeria.
Wir sind die einzigen Gäste im Fischkutter.
Ich esse matschigen Matjes mit verbrannten Bratkartoffeln nach Hausfrauenart, die Liebste in Sauce ertrunkenen Lachs mit aufgewärmten Kartoffeln vom Vortag und einem kleinen Brokkolus.
Wir ahnen, warum wir hier die einzigen Gäste sind. Egal. Der Hunger treibts hinein.
Die Betten sind gut, und weit vor der Tageschau sind wir eingeschlafen.

P1010116P1010117 Beim Frühstück scheucht uns eine polnische Grete mit blonden Zöpfen vom Fensterplatz weg an einen Tisch in eine dunkle Ecke. Da stehen noch zwei Tassen, alle anderen Tische sind abgeräumt.
Das Büffet ist ok.
Während wir unseren letzten Kaffee trinken, kommt wer chefähnliches an unseren Tisch und beginnt zu reden.
„Wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf. Bleiben Sie so, wie Sie sind.“
Diese Eröffnung erstaunt uns einigermassen und ich frage freundlich zurück: „Und wenn wir Serienmörder sind?“
Das verwirrt ihn, weswegen er sich, nach Worten suchend, zurückzieht.
Möge der Urlaub beginnen.

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Seltsamer Urlaub, wenn ich schon morgens um acht Uhr hellwach bin und irgendwie versuche, die Gespenster der Nacht abzuschütteln.
Tod und Gewalt, die Nacht trug Blut in sich.
Alles Bekannte, mir lieb und vertraut, war gestorben. Auf einem Busparkplatz mußte ich mich gegen vier Menschen wehren, die schon ein paar Leute dort umgebracht hatten und einen Bus kapern wollten.
Ich drückte wem die scharfe Klinge meines Schweitzer Messers in die Kehle. Es gab verschiedene Variationen. Stechen in die Luftröhre, wahlweise Adamsapfel, Durchtrennen der Halsschlagader, aufschneiden der gesamten Kehle. Alles in Farbe, 3D und Einiges sogar in slow-motion.
Mit der Waffe des Erstochenen (oder war es eine Sie?) unter den Bus gerollt, auf Füße geschossen, dann in einen liegenden Kopf.
Der Traum war erst ab achtzehn freigegeben.
Dann ging die Ballerei ein wenig durcheinander.
Abgesägte Schrotflinte, Pumpgun, Mündungsfeuer in grellen Farben, aber alles ohne Ton.
Am Ende versuchte ich vor einem imaginären Gericht zu erklären, wieso ich in solch einen Blutrausch rutschen konnte. Aber es hörte sich selbst für mich nicht plausibel an.
Endlich wachgeworden, steckte mein Körper in einer fünf Millimeter dicken Schweißschicht. Ob das wohl an den Chakalakachipsen lag? Die Liebste meint, da sei zuviel Afrika drin.

Haben wir bei der Buchung des Hotels übersehen, dass hier das empfohlene Mindestalter bei 72 liegt?
Usseliges Wetter am Meer ist auch nicht besser, bloß, weil es am Meer ist.
An der Strandpromenade werden für das Wochenende Stände aufgebaut. Ein Kinderkarussell steht schon länger da. Es ist wie Kirmes mit Meeresrauschen und jeder Menge Regen.
Auf dem Weg zum Cafe Röntgen in den nächsten Ort werden wir patschnass. (Übrigens sehr zu empfehlen, das Cafe´Röntgen.)
Das passt gut zu dem Kaffeeknoten in meinem Magen.
Damit kann ich die Zeiten von grande cafe´noir und eine Broyard oder Gitanes mais auch abhaken. Kommt jetzt der Schonkaffee und fad gesalzene Speisen?
Ich sehe einem Menschen beim Verzehr seines Fischbrötchens im Gehen zu und ahne, wie das Leben kurz nach dem aufrechten Gang aussah.

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Da bin ich doch zufällig auf ein Usedomer Geheimnis gestoßen.
Es gibt hier einen Menschen, der seine Zeichen hinterläßt.
Wie ein Revolverheld, der pro Opfer eine Kerbe in den Griff seines Coltes schnitzt, oder ein Arsch, der pro Mädel ein Strich an die Tapete macht, geht ein Mensch auf Usedom herum, der auf den Toilettensitzen , wo der rechte Oberschenkel aufliegt, an der Innenseite ein kleines Stück des Materials abschält.
Oder aber Hotels, Restaurants und Cafes dieser Gegend haben von einem Hersteller ein Kontingent leicht beschädigter Toilettensitze gekauft.

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Endlich ist Strandwetter, Sand zwischen den Zähnen Wetter.
Nordic-Walkerinnen stanzen Löcher in das feuchte Silizium und zerkratzen es.
Man muß schon auf dem Bauch kriechen, um nicht zufällig fotografiert zu werden, aber sicher ist das auch nicht.
Menschen, die bis zum Bauch im Wasser stehen, filmen ihre gummibereiften, paddelnden Kinder, Spanner fotografieren Bikinis, Ehemänner die Frau mit Möwe, Oma den Opa mit Spatzen.
Das Kindergefängnis hat geöffnet. Für zwei Euro kann man den lieben Kleinen für fünfzehn Minuten ins Bällchenbad wegsperren.
Ein Kontrollorgan der Ordnungsbehörde läßt sich die Tickets der Kurtaxe zeigen.

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Bevor der Sand uns wundgeschliffen hat, verlassen wir den Strand.
Die Kirmesbuden haben geöffnet und bieten ihren Nippes wohlfeil.
Hornkämme,  Ledernamensschilder, bemalte Frühstücksbrettchen, graviertes Glas und Schafseife, die Auswahl ist groß. Bei dern Filzhüten aus Kirgisien meint die Verkäuferin, Sauerländer trügen tiefergelegte Ohren am Kopf.
Die Sonne verschwindet, wir gehen zurück ins Hotel.
Heute ist D-Day. Die Liebst und ich sind seit fünfzehn Jahren zusammen, und irgendwas mit der Normandie ist auch noch.

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Auch ohne Gespenster in der Nacht hat sich das Wachwerden auf acht Uhr eingependelt. Hoffentlich bleibt das nicht dauerhaft.
Die polnische Gretel mit den blonden Zöpfen sagt „Jo“ auf die Frage, ob ich auf der Terrasse einen Tee bekomme. Das „Jo“ hat etwas eigenes.
Ihr „o“ ist langatmig und bauchig, als würde der Laut in einer kleinen Höhle gebildet und hätte Bock, durch die gespitzten Lippen zu flutschen..
Heiß ist es und es wird merklich voller am Strand.
Die Duftmischung aus Sonnenschutzaromen, Schweiß, Salz und Muschelmus riecht hochsommerverdächtig.
Es hat den Anschein, alle Seniorenzentren der Republik machten eine Pfingsttour nach Heringsdorf.
Es ist kein Strand der Schönen, der Reichen und der Jungen.
Das fahle, alte Fleisch ist schnell gar, und rote Rentner sind in der Überzahl.
Die Liebste meint, das könnten wir in zwanzig Jahren sein. Nicht nett.

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Die Promenade ist jetzt so voller Menschen, dass es eine Einstimmung auf die Pfingstkirmes in Menden bei guten Wetter ist. Außerdem ist noch ein Kleinkunstfestival vor Ort. Allerdings zahlen sie den Künstlern nichts. Die Kurgäste werden gebeten, doch etwas in den Hut der jeweiligen Akteure zu werfen. Pfiffig.
In zwei verschiedenen Cafes bestelle ich einen Milchkaffee, in beiden bekomme ich einen Filterkaffe mit zwei Döschen Kondensmilch. Das mag daran liegen, dass so gut wie alles Servicepersonal vor Ort aus Polen kommt und mal mehr, eher weniger deutsch spricht. Auch pfiffig.
Eine Fastglatze raunzt auf den Freudenausbruch: „Hach, ist das schön hier“, eines Neutouristen seiner Begleiterin zu: „Die gehn mir auf den Sack, diese Westaffen.“

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Es gibt noch leerstehende, verfallende Häuser in Heringsdorf. Mitten im Zentrum, gegenüber unsers Hotels, steht eine mehrstöckige, ehemalige Einkaufsbutze zwar begehbar, ansonsten aber ziemlich leer. In Bansien, strandläufig zwei Kilometer von Heringsdorf entfernt, behauptet sich ein häßliches Hohlblocksteingebilde, einstöckig mit Flachdach und schwerer Eisenschiebetür zwischen neuen Buden und Behindertentoiletten. Es steht leer, und die Liebste vermutet darin eine Versorgungsstation aus sozialistischen Zeiten. Schade auch, dass das alte Kino in Ahlbeck vergammelt.
Das sind aber Randerscheinungen und nur deswegen so auffällig, weil all die anderen Villen, Schlösschen und Protzbauten so gut saniert dominieren.
Immobilienhändler, die nach dem Mauerfall ausschwärmten wie die Fliegen und Sahnestückchen von Ostdeutschland einverleibten, haben überall ihre Zeichen hinterlassen.

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Für das Abschiedsessen suchen wir uns ein Thai-Restaurant an der Promenade aus. Der Laden ist nobel.
Angebich hat der Chefkoch schon für König Bhumibol Adulyadej gekocht.
Draußen rußen schwarze Petroleumfackeln, geben der Atmosphäre der Gartenterrasse einen benzinigen Beigeschmack.
Allerdings haben wir übersehen, dass Sontags Grillzeit, Fleischzeit ist, und auch nicht anderes als Grillfleisch in der Speisekarte steht.
„Wir haben nur eine acht Quadratmeter kleine Küche. Wenn da Sonntags die Terrasse voll ist, gäbe es stundenlange Wartezeiten. Deswegen Sonntags nur Grillen und Draußen.“
Unter der Woche kommen wohl nicht so viele Gäste.
Wir gehen weiter nach Ahlbeck und finden zufällig ein anderes, thailändisches Restaurant.
Ein stilsicher eingerichteter, quadratischer Glas-Stahlbau mit ausgesucht höflichem und offensichtlich kompetenten Service, einem buddhagefälligen Essen, dem es etwas an Würze fehlte, aber vielleicht mag Buddha laffes Essen.
Thailändischer Nachtisch aus süßem Klebereis mit Kokosschlagsahne, Mangomus, sehr lecker das.
„Und für mich bitte einen Bambusschnaps.“
Auf dem Heimweg jagen Blitze durch Gewitterwolken, in der Nacht wütet das Unwetter moderat bis verschnupft.

Am Frühstücksbüffet schaut eine schwangere Mutter einen Gast mit besonderen Bedürfnissen grimmig an, als befürchtete sie, er könne ihr Ungeborenes anstecken.
Ab nach Hause.
Ein Stellwerk habe es erwischt, sagen die Nachrichten, weswegen der Zugverkehr durcheinandergeriete. Da sind wir doch froh, das wir mal den Wagen genommen haben. Die Fahrt in die Gewitterfront ist zwar nicht lustig, aber auch nicht dauerhaft.
Zusammenfassend war es ein schöner Urlaub. Die Gegend ist toll, die Preise meistens fast erträglich. Der Vollständigkeithalber sollte ich erwähnen, das natürlich überall an der Promenade ein kostenloser Hotspot war, aber woher sollte die Frau hinter dem Touristeninfotresen das wissen. Fakt ist aber auch, dass meine Liebste und ich gar keine Lust auf Computer oder mobile Endgeräte hatten. Es war ja Urlaub.
Jetzt die Kirmes?