Oskarchen

oskarchenWieder ist ein Gedanke verschütt gegangen. Zu Hause noch gedacht, oh, ein schöner Einstieg, ist er zehn Minuten später in alle Winde verstreut.

Verfluchte, segensreiche Vergesslichkeit, die mich gedachte Diamanten verlieren lässt, um täglich andere zu entdecken.

„Der neue James Bond. Ist der wieder mit Skifahrern?“

Ich lehne mich da mal aus dem Fenster und sage ja. Daniel Craig mit Feuer und Eis und Bogner Romantik im ColdWar II Ambiente irgendwo zwischen Nordkorea und Syrien mit live-Bildern der letzten Bombardierung.

Der Preis für die angeranzteste Uniform der Paketausträger geht heute an dpd. Die fransig, rotschwarze Kluft schlabbert an ihrem Träger wie der Containertrainingsanzug an einem Meth-Amphetamin-Abhängigen. Der sonst so schlunzige Hermes Bote in blassem Blau wirkt dagegen calvinkleinesk in seinem Auftreten.

Die Spielhallenaufsicht riecht nach Brausepulver.

Ob sie auch, wie weiland Frau Thalbach, einem Oskarchen auf die Hand gespuckt hat?

Der alte Mann des Musikgeschäftes steht auf einer dreistufigen Leiter in der Mitte. Es wirkt, als horche er an dem gerade aufgehängten Plakat.

Vielleicht hört er die gerichtliche Verkündung, die afd sei hochoffiziell rechtsextrem zu nennen. Da tun wir jetzt aber alle mal überrascht. Da haben wir ja wirklich Nazis im Bundestag und in den Gremien. Jetzt aber hurtig.

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Richter und Henker

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„Man, was da alles reingeht.“

Während ich meinen zweiten Kaffee genieße, erzählt ein Bekannter von seiner Blasenspiegelung.

„Wie so´n Bautenzug. Vorne mit Scheinwerfer. Deswegen konnte ich nicht zur Premiere. Das hat noch richtig gebrannt.“

Schmuddelschnee. Wie mit zerknüllten Tempotaschentüchern bedeckt wirken Häuser, Straßen und Autos. Endlich gibt es einen gemeinsamen Feind. Es ist doch Frühlingsanfang. Was soll diese Kälte, was soll der Schnee?

Der G-20-Berserker Scholz läßt sich von Goldman-Sachs assistieren. Oder übernimmt Goldmann-Sachs den Posten von G-20-Berserker Scholz. Man weiß s nicht.Aber Banker und Soziales hat ja in der Vergangenheit so super funktioniert.

Jens Spahn macht gleichzeitig auf Marie-Antoinette und Uterus-Honk, Nazis auf der Leipziger Buchmesse verhalten sich, wie sich Nazis eben verhalten.

Es heißt nicht umsonst: Kein Fußbreit den Faschisten. Die Diarrhö ihres Intellekts geht über Leichen. Das wissen wir doch.

Heimat-Horst marschiert bundesweit in jedes Wohnzimmer um Rechtsstaatlichkeit zu überprüfen, während die Bundesregierung das Morden an Kurden unterstützt.

Schon spannend, wie aus Dichter und Denker Richter und Henker werden.

Erinnerungen

mach kluch1Der pensionierte Realschullehrer für Arschlochkunde und Rechtsaußen deckt seinen Fleischbedarf beim Metzger ein. Seit er in Pension ist, kann er sich nicht mehr an Kinderseelen laben.

Ein vorbeiziehender, unangenehmer Geruch kickt mich ins Erzgebirge und in die Vergangenheit.

Braunkohle, Zwei-Takter-Abgase, Plaste und Elaste von Karl Friederich Kaste.

Reichenbacher Weihnachtskindheit, mit Plumpsklo im Garten, Einschusslöchern in der Mauer um ihn herum, Stollen backen in der Gemeinschaftsbäckerei, wenn die Osterstrasse an der Reihe war, Pyramiden, Räuchermännchen, Nußknacker, der große Kachelofen mit den grünen Kacheln, Blaumilchgläser in der Vitrine, ein lebensgroßer Teddy in Lederhose und Trachtenweste, das Kinderzimmer meiner Mutter, karg, kalt, weil nicht geheizt, schwere Daunendecken, die mich erdrückten und schlimme Träume brachten.

Das ständige Gewisper über den einzigen Mieter: „Der ist bei der Stasi.“ Die Grünbitterparties, das neue Deutschland auf den Knien meines Opas – mit dieser Zeitung brachte er mir das Lesen bei – und natürlich das Sandmännchen.

Wir sammeln erst den Abendruß, bis jedes Kind ins Bettchen muß.

Das alles steckt in diesem unangenehmen Geruch.

Heute ist Reichenbach naziverseucht, wie der halbe Osten Deutschlands.

Ob die große Hakenkreuzfahne meines Opas immer noch auf dem Dachboden vergraben ist?

Dabei war er kein Nazi. Kriegsgewinnler ja, bei den Versorgungseinheiten.

Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Wildseide

20180217_115009„Wenn ich aus dem Haus gehe, gehe ich ja immer ordentlich.“

Es ist ein zielgerichteter Satz an mich von einer alten Frau neben mir im Frisörstuhl.

Sie mustert mich mit mißbilligenden Blicken, aber da ich einen Termin habe, bin ich vor ihr dran, obwohl ich später kam als sie.

Empört steht sie auf, nimmt ihren Schal, aber da ich farbige Laune habe, lasse ich sie vor. Die mißbilligenden Blicke bleiben, dann schimpft sie über die Jugend, die heutzutage mit Messern und Pistole aufeinander losgehen würden. Früher wär ja alles blablabla.

Ich bin versucht zu sagen, in ihrer Jugend wären die Jungen in der HJ, die Mädchen im BDM (oder war es BDSM) und dann in Polen einmarschiert mit Gas, Bajonett und Maschinengewehr, aber nein.

Ich mag die Scherentänzerin und möchte sie nicht in Verlegenheit bringen.

Außerdem liegt meine Konzentration auf etwas, dass die alte Frau noch mehr aus der Fassung bringen wird.

Ich denke an violette Wildseide und noch ein wenig an Dark Denim, was aber leider nicht geklappt hat.

Vor vier Wochen träumte ich mich blauhaarig, vor drei Wochen noch einmal und es gefiel mir.

Dann dachte ich: Blau? Hm. Das könnte man auch als Unterstützung für die Nazischlümpfe von der AFD sehen. Pfui Bah.

Ich begab mich auf die Suche nach einem schönen Blau und fand Dark Denim, aber kein Geschäft, welches das Haarfärbemittel verkaufte. Violette Wildseide jedoch gab es und warum nicht.

Die Scherentänzerin war schon einen Tag vorher informiert, plauderte in ihrer eigenen Art über Kunst, Kultur und Politik, schnippschnapp, um mir dann eine hellpinke Paste auf den Kopf zu schmieren. Als würde man den Kopf in eine matschige Wassermelone stecken. Hu. Dann dreißig Minuten warten mit Hitzebestrahlung von rechts, links, oben und vorne, dann waschen, trocknen, kämmen, fertig.

Ich mußte schon lachen, als der Kopf in der Wassermelone steckte, jetzt freu ich mich und schmunzel vor mich hin.

Ich mag meine Träume. IMG_20180217_143824

Crush

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Nie wieder Faschismus

Zu früh für einen klaren Blick.

Der Sandmann bröckelt gelblich aus den Augen.

Geräusche, die das Ohr erreichen, klingen wie hysterisches Gekreische und Fingernägel auf der Schiefertafel.

Die Pflegequalle aus der Cramerschen Fabrik spielt fleißig mit dem Smartphone, während die Frau im Rollstuhl vor ihr geduldig wartet. Sie hat ja Zeit, als hilfsbedürftiger Pflegefall. Die kann auch ruhig mal warten, bei dem Regen und den Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Hier crushen grad die Candys.

Der Einarmige kommt aus der Spielhalle und versucht, sich eine Zigarette anzuzünden, was durch Wind und Wasser nicht funktioniert. Also zieht er sich, mit grimmigem Blick und nasser Zigarette, zurück zum rotierenden Glück.

Und wieder schauen die deutschen Nazischlümpfe neidisch nach Polen. Das hätten sie auch gerne.

Per Gesetz die Schuld von Naziverbrechen wegwischen. Endlich keine Verantwortung mehr übernehmen.

Sind schon Füchse, die Polen. Wie sie wohl die eigenen, neuen Naziaufmärsche gesetzlich umbenennen? Da sind sie ja auch nicht Schuld dran.

Schuld sind immer die anderen.

Die Hölle sind immer die anderen, sagte Sartre.

Und wenn schon Nazifizierung, dann eine eigene, mit polnischem Stempel und abwaschbarer Farbe.

Aus „Nie wieder Faschismus“ wird „Schon wieder Faschismus“, und der braune, billige Dreck der Nazischlümpfe schwabbt durch alle Ausschüsse im Bundestag, getragen von liberalen Fürzen, enthaltsam abgenickt von dem Rest.

crazyw1
Schon wieder Faschismus

Die Linke sagt nein, aber wer hört schon auf die Linke.

Sprache

narrkleinHat es was zu bedeuten, dass ich mit einer Filmmusik aus einem alten Western im Ohr aufgewacht bin?

Jetzt reiten sie westwärts ho durch durch mein Stammhirn und es nimmt kein Ende. Jee haw.

Von Zeit zu Zeit macht es Sinn, sprachliche Gewohnheiten zu hinterfragen.

Es ist so einfach, andere durch Sprache herabzusetzen.

Nazisprache, die Sprache der AFD zeigt das auf beeindruckend ekelhafte Weise.

Einerseits ganz gut, da man nach drei Sätzen bemerkt, wes Geistes Kind das Gegenüber ist, andererseits greift diese Nazisprache, diese afd-sche Verrohungssprache um sich, ist ansteckend wie Syphillis oder Hepatitis B.

Viel besser beschreibt das @LaVieVagabonde

Wenn sich Nazisprache etabliert hat, ist niemand, egal welches Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft oder Religion, auch nur ansatzweise sicher.

 

Irgendwas mit Tanzen

Die alten Männer des Tonträgergeschäftes stehen weißhaarig, die Bäuche mit Flanell und T-Shirt bedeckt, im Türrahmen des Tonträgergeschäftes, warten auf Kundschaft bis ihnen zu warm wird, und sie sich in die klimatisierte CD-Butze zurückziehen.

Der italienische Baumveredler, sonst mit dem Rad unterwegs, läßt den Motor seiner japanischen Güllepumpe vor der Zone aufheulen. Alle schauen. Ziel erreicht.

Wieder hat sich ein radikales, pseudoreligiöses Arschloch in die Luft gesprengt und jede Menge Menschen, diesmal in Manchester, ermordet.

Alles schreit nach Sicherheit.

Ein verständlicher Reflex, dann die leidige Diskussion um mehr Kameras, auch wenn die Diskutierenden wissen, dass durch Kameras nicht eine Straftat verhindert wird.

Jedes Märtyrerarschloch wird sich bei noch mehr Kameras die Hände reiben. Die aufgezeichneten Bilder vervielfältigen den Angstfaktor.

Die kommerziellen Medien, egal welcher Art, wissen das auch, aber Opferbilder bringen Klicks, Auflage, Quote.egal ob rechte, linke oder religiöse Bombe.

Ein kranker Scheiß.

Der Exekutive dieses Landes wird allenfalls noch mit Mißtrauen begegnet. (So viele Fehler muß man erst mal machen. Gibt es eigentlich bei dem rechten Dreck jemanden, der nicht für den Verfassungsschutz als V-Mann arbeitet?)

Wir rasen auf die Katastrophe zu.

Haha.

Diesen Satz schreibe ich, in den verschiedensten Variationen auch schon seit dreißig Jahren.

Dabei ist die Menschheit die Katastrophe. Doch hilft diese Einsicht nicht.

In Menden, wie überall auf diesem Planeten, geht für die Überlebenden das Leben weiter.

Polizeisirenen, jaulende Hunde, der alte Mann des Tonträgergeschäftes stellt ein Veranstaltungsplakat vor die Tür.

Irgendwas mit Tanzen.narrklein