Nepper, Schlepper…

narrkleinDrei alte Damen stehen nebeneinander und besitzen mit ihrem indischen Kräuterseifeduft mindestens soviel Durchlagkraft wie Sarin oder Senfgas.

„Ich hatte letztes Jahr einen Schlaganfall im Stammhirn. Ich geh ausse Spur. Ich zieh nach rechts“, klagt eine von ihnen im Gewaber indischer Wohlgerüche.

Die Sonne scheint, in Menden ist schon wieder das Mittelalter ausgebrochen.

„Wenn ich nicht mindestens zwei Kaffee mit einem Espresso getrunken habe bevor ich was esse, bekomme ich Magenkrämpfe“, stöhnt eine junge Markttenderin in mittelalter Wolle.

Aber haben nicht erst die Türken den Kaffee nach Wien gebracht? Da war das Mittelalter schon lange tot.

Ihre Wolle riecht nach frischen Acrylamiden vom Vorabend, mit einem aktuellen Hauch öffentlicher Toilettenseife.

War wohl grad kein Wiesenschaumkraut zur Hand.

Weil das Mittelalter so fad und abgenudelt ist, haben die Veranstalter gedacht: Da muß frischer Wind rein. Verpflichten wir doch eine Quackenbrücker Postkutsche mit der Optik eines gelben Holzcontainers, gezogen von vier Kaltblütern. Hauptsache alt. Die Mendener kennen nicht den Unterschied von alt oder mittelalt. Noch nicht einmal beim Gouda.

Nein, Menden. Wenn ihr euch schon unbedingt Menschen, die in ihrer Kleidung wohnen, in die Stadt holen wollt, macht ein großes Obdachlosenfest.

Bewirtet für einen Tag die Hungrigen, Bedürftigen, Verzweifelten oder Heimatlosen der Umgebung.

Aber bitte nicht mehr so einen Bauernfängermarkt mit gebrannten Mandeln, Edelpopcorn und Dachfensterrollos.

„Gimpel rupfen“ heißt das in der Schaustellersprache.

Jetzt rate mal Menden, wer die Gimpel sind.