winter in the city

hönnenat4„Bleib mal stehen“, ruft die Politesse aus Balve. „Zeig mal Deine Haare.“

„Wie bitte?“

„Ich hab da was gehört. Will mich nur selbst überzeugen.“

Ich kenne sie schon recht lange. Letztes Jahr hab ich sie erfolgreich ausgehangen, da ihr Kreuz ein wenig schmerzte, ihr Sohn gehörte zu den ehemaligen Theaterkids.

„Wer hat Dir was erzählt?“

„Ach, niemand Spezielles. Alle eigentlich. Das geht grad rund. Jetzt zeig schon.“

Ich nehme die Mütze ab und zeige ihr meine violetten Wildseidehaare.

„Tatsächlich“, haucht sie und setzt zur Beschwichtigung ein „Chic“ hinterher.

In Balve, wo der Pfarrer noch persönlich exorziert, gelten Männer mit violetten Wildseidehaaren vielleicht als Teufelswerk.

Ihr Wahrzeichen ist das Mammut, und ihre Freizeit verbringen sie in einer Höhle, da weiß man nie.“

„Da waren wir doch überrascht“, meint die Bäckereifachverkäuferin, „dass heute früh so viele frustrierte Männer hier auftauchten. Dabei stand es, als ich zur Arbeit fuhr, eins zu eins. Aber der Umsatz war gut.“

Der Frost ist da. Er gräbt sich gerade in die Erde, und die Wettersprecher reden von Russenpeitsche. Äußerst geschmacklos. Selbst die Katastrophenapp Nina warnt Menden und Umgebung vor strengem Frost.

Ernsthaft?

Es ist normal kalt für diese Jahreszeit. Wenn´s jetzt minus vierzig Grad wäre, dann wären Warnungen angebracht, aber bei minus vier Grad? Wie hab ich bloß meine Kindheit überlebt, als die Hönne zugefroren war und ich mit Schlittschuhen zum Gymnasium glitt?

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