Sprache

narrkleinHat es was zu bedeuten, dass ich mit einer Filmmusik aus einem alten Western im Ohr aufgewacht bin?

Jetzt reiten sie westwärts ho durch durch mein Stammhirn und es nimmt kein Ende. Jee haw.

Von Zeit zu Zeit macht es Sinn, sprachliche Gewohnheiten zu hinterfragen.

Es ist so einfach, andere durch Sprache herabzusetzen.

Nazisprache, die Sprache der AFD zeigt das auf beeindruckend ekelhafte Weise.

Einerseits ganz gut, da man nach drei Sätzen bemerkt, wes Geistes Kind das Gegenüber ist, andererseits greift diese Nazisprache, diese afd-sche Verrohungssprache um sich, ist ansteckend wie Syphillis oder Hepatitis B.

Viel besser beschreibt das @LaVieVagabonde

Wenn sich Nazisprache etabliert hat, ist niemand, egal welches Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft oder Religion, auch nur ansatzweise sicher.

 

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Glenglassaugh

Dr. Tod winkt in den Laden für Lingerie und Autoersatzteile. Dann trippelt er mit Parkinsonschritten langsam weiter. Eile mit Weile.

Am Samstag war ich bei einer Whisky-Verköstigung in Unna im Refugio. Ein Geschenk meiner Liebsten.

Sieben mal Gerstegebranntes hochprozentig.

Von 40% bis 56%, der jüngste Single-Malt aus Sylt, ganz hip in schwankenden Fischkuttern gelagert, der Rest aus Schottland, zwischen 20 und 30 Jahre alt, in kleiner Auflage und unbezahlbar für mich.

Rauchsalzbutter, Baguette, und in der Pause etwas Gulasch.

Interessant, dass mein Geschmack, in Sachen Whisky, eher der Allgemeinheit entspricht, denn der Favorit von allen, ein dreißig Jahre alter Glenglassaugh, ging unter die Zunge wie sanftes Manna.

Was den Abend für mich zusätzlich zu dem Gebrannten so interessant machte, war die Tatsache, dass ich zeitweise nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden konnte.

Das lag an meinem Gegenüber, der exakt so aussah wie der holographische Doktor der Voyager in zivil, wewegen ein Teil von mir zeitweise im Delta-Quadranten verweilte und ich ihn während des sechsten Whiskys, ein Ben Riach 1986 Peated/Oloroso Sherry Finish ( 51%), fast gefragt hätte, ob es noch Hoffnung für eine alte Schulterverletzung bei mir gäbe.

Fast. Auch Ärzte, selbst, wenn sie holographisch sind, haben ein Recht auf Feierabend.

Nein, es war ein runder Abend, und als Sahnehäubchen sind wir sowohl hin als auch zurück mit dem Zug gefahren.

Ja, Menden nähert sich mit Babysschritten einer Stadt mit öffentlichem Nahverkehr bis in die frühen Abendstunden.

Es gibt noch Hoffnung.

Wind

P1010224Es gibt so viel Guts, dass man übersehen kann.

Die heimliche Zuwendung einer Verkäuferin, die den Kaffee nicht berechnet und zwei Croissants kommen, obwohl nur eins auf der Rechnung steht.

Das Lächeln der Menschen im dichten Schneematschtreiben, die mir zuwinken und Gesundheit wünschen.

Der ein m² blaue Himmel, der die Sonne zu einem Schnack einläd.

Der Postbote, der extra lange wartet, weil er weiß, die Kundin ist nicht gut zu Fuß.

Alltäglichkeiten, die wir gerne übersehen.

Schließlich ist Sturm. Orkan. Da wird die Stadt gefegt von Meister Hurrikan.

Friederike ist nicht gut noch böse, ist keine Frau, ist Wind. Sehr kräftiger Wind.

Wir sind so denaturiert, dass wir nicht mehr wissen, was sehr kräftiger Wind alles anrichten kann.

Bestimmt gibt es heute Abend wieder einen Wetterbrennpunkt.

so selten

narrkleinSo selten.

Ein Mensch summt leise vor sich hin. Es riecht süßlich, frangipanisch.

Doch als sich unsere Augen treffen, sehe ich Schmerz und Verzweiflung, höre das Summen und wieder das Süße.

So zerrissen wirkt der Mensch, dass Summen und Süße und Schmerz und Verzweiflung als festverwachsene Einheit der Person Stütze und Halt sind.

Süßer Schmerz, sinnliche Verzweiflung, eingerichtet für ein Leben im inneren Elend.

So selten eigentlich nicht.

kleine Planeten

crazy

„Bin isch Kaffee, gegenüber Spielhalle. Isch seh disch. Da links, da rechts. Komm rein.“

Ein junger Mann betritt die Filiale.

„Was willze? Kaffee, Tee, Latte Machiato, Espresso, Filterkaffee?“

„Nichts. Danke“, sagt der junge Mann und verschwindet wieder.

Der erfolglose Einlader winkt mit beiden Händen, der nächste, etwas ältere Mann betritt den Laden.

„Willze Kaffee, Tee, Latte Machiato, Espresso, Filterkaffee? Ach, machen Sie ihm ’nen Kaffee.“

Dann stellen sich beiden mit dampfenden Pappbechern vor die Tür und rauchen.

„Heute muß Vollmond sein, und alle haben ihre Tabletten nicht genommen“, sinniert eine Kundin. Ihr verträumter Blick läßt vermuten, dass sie ihre eingenommen hat.

„Wie kleine Planeten, wie süß“, zeigt sie auf das Brotkonfekt in der durchsichtigen Plastikfolie.

Erweiterte Wahrnehmung ist nicht immer ein Segen.

Bernsteinlicht

Knöchelfrei durchs neue Jahr.

Ein Blick in den Himmel wirkt halluzinatorisch.

Bernsteinlicht aus grauem Dunst und Wüstensamd mit kleinen, blauen Einschüssen und einer Schärfentiefe, die weit in die Unendlichkeit vordringt.

Da hinten, in der Unendlichkeit, da ist es scharf.

Hier im Nahbereich ist es etwas verschwommen.

Es sind die Details, die uns um den Verstand bringen.

Das schräge Hochziehen der Oberlippe des Gegenübers, die Art, wie Essbesteck genommen wird, große Krümel, die speichelfeucht aus einem vollgestopften Mund fliegen reichen für innere Eskalation.

Die SPD sei durchgedreht, meinen die Rößler-Rentner. Ich werde das nicht verneinen. Nur ausweiten auf die gesamte politische Landschaft.

Das Braunkohlekapital frisst eine Kirche unter Denkmalschutz, aber kaum jemanden interessiert es.

Wir verfeuern unsere Kulturgüter. Yeah.

Wen wunderts, wenns im Demokrativerständnis zündelt.

„Vier braune Brötchen, bitte.“

„Sind im Bundestag.“

Die politische Situation greift in die Einkaufsgewohnheiten. So schleicht der arschige Nazi in unseren Alltag.

„Die Sonne kommt“, bemerkt einer der Rößler-Rentner.

„Da mußt du aber vorher um Erlaubnis fragen“, bemerkt ein anderer, was anzügliches Lachen zur Folge hat.

Gut, dass ich ausgetrunken habe. Ich möchte nicht äußerlich eskalieren.

Einfach mal

narrklein

So. 2017 ist Geschichte.

Wie soll ich es nennen?

Das Jahr der Sahnehäubchen menschlicher Katastrophen?

Der Anfang vom Ende demokratischen Grundverhaltens?

So weit wir in der Wissenschaft nach vorn gestoßen sind, so tief sind wir menschlich gesunken.

Ist doch ein interessanter Vorsatz. Lasst uns den Standard des Miteinander ein wenig anheben.

Nicht gleich losspucken und zetern.

Anhören, nachdenken, Argumente abwägen. Vielleicht auch mal Konsequenzen bedenken.

Ist nicht so schwer und hat auch schon mal funktioniert.

Anders formuliert: Einfach mal die Fresse halten.

Akzeptieren, dass andere Menschen klüger als man selbst sein können. Kluge Worte auf Herz und Nieren prüfen. Den eigenen Standpunkt hinterfragen.

Sowas eben. Kennen wir alle. Müssen wir uns nur manchmal dran erinnern.