Mammon

DSC02870.JPG

Es gibt Städte, die in den Sommerferien, vormittags, so viel Leben in sich tragen, wie ein Patient kurz vor der Reanimation. Ab der Mittagszeit beginnt der schleichende Herztod.

Ein Fahrer von Blechkotze mit Stern blockiert schwungvoll drei parkende Autos.

Er bewegt sich zittrig, schleichend aus dem Blech Richtung Doktor.

Er muss sich seine tägliche Adrenalinspritze ins Herz abgeholt haben, da er auf dem Rückweg zumindest ein Bein beschwingt hinter sich herzieht.

Die Sonne scheint manchmal, und das ist nicht das Schlechteste.

„Eine Million ist nicht viel“, meint eine frisch gekündigte Frau mit 600,- € Monatsgehalt. Sie sitzt am Nebentisch, raucht Kette, erzählt über den Kommunikationsabbruch ihres Chefs mit ihr nach der Kündigung und Stress mit dem Amt.

Ihr Gegenüber kontert mit seinem Kind und dessen Behinderung, einem glatten Bruch seines Unterarms, seiner Modelleisenbahn, und dass er jetzt die Scharnhorst baue.

„Zeit ist Geld“, ruft eine Glatze mit Religionsbart, und ein verdrießlicher, rothaariger Angestellter antwortet: „Jawoll,mein Führer.“

Es ist hier nicht anders als woanders. Nur woanders.

Dieselige Blechkotze soll verboten werden. So haben Gerichte entschieden. Sehnsüchtig schaut so mancher Politiker nach Polen und überlegt sich, die Kriterien für den Richterberuf in Deutschland ernsthaft zu überprüfen.

Das ist doch nicht im Sinne der Blechkotzeindustrie.

Sakramutschi hat sich an seinem eigenen Schwanz verschluckt.

Schon interessant, dass solche Sätze mittlerweile den Status der armeerikanischen Regierung beschreiben.

Für den Status der deutschen Regierung braucht es nur ein Fähnchen im Wind.

Wir stehen kurz vor der Wahl, da glaubt doch keiner ernsthaft an ein Dieselverbot. Oder eine Einschränkung für Autofahrer*innen.

Es sterben ja die Leute, die nicht in der gereinigten, vollklimatisierten Luft der Megablechkotze von Benz, Porsche, VW, usw, sitzen.

Die haben nur die Lobby der Bestatter. Und die neue Kollektion von Kindersärgen ist doch entzückend. Vielleicht werden auch gerade deswegen so viele Kinder geboren. Die Natur sorgt vor. Die Zeit der Menschenopfer ist lang noch nicht vorbei.

Und ob dem Kind die Kehle auf dem Altar durchgeschnitten wird, oder ihm wegen der Umweltbelastung die Luft ausgeht, bleibt sich gleich.

Mammon, Schutzpatron der Industrie, freut sich über jede Leiche.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s