Edel sei der Mensch

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Sag mir, wo die Menschen sind.

Mendens Population ist um die Hälfte gesunken.

Es soll einheimische Arten geben, die auch jetzt noch ihren Zug nach Antalya anstreben.

Andere Arten suchen sich neue Brutstätten der Erholung.

Die Sonne muss scheinen, Billiglohnland ist mehr als erwünscht, aber die Standards bitte wie daheim. Es darf nichts kosten und die Leute müssen freundlich bleiben, wenn wir den Großkotz raushängen lassen.

Glasperlen für die Eingeborenen. Wie damals, als es noch die Mauer durch Europa gab. Da war man mit Einwegfeuerzeugen und billigen Digitaluhren der König der Welt im Osten.

Das muss es doch noch geben. Irgendwo. Und es muss mit einem Billigflieger erreichbar sein. Das mit der Umwelt ist egal. Hauptsache, man kommt für fast gar nix dahin, wo es billig ist.

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut; denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen!

So sah es Goethe früher. Heute müsste er erkennen:

Billig ist der Mensch, Hilfeverweigerer und Gaffer. Es gibt andere Wesen mit mehr sozialer Kompetenz.

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Pladder

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Bringt das Schreiben im Schatten des Verfalls einen Hauch von Melancholie in das Geschriebene?

Erst Küster, dann Dealer, jetzt Ruine mit zwei Palmen, im Hintergrund ein Parkhaus, das langsam zusammenbricht.

Flankiert wird das Ensemble von drei (!) Ein-Euro-Läden und der Deutschen Bank. Da weiß ich grad nicht, welches der vier Geschäfte´den Stadtteil mehr abwertet.

Wasserspiele in Menden, hört sich an wie der Titel eines Pornofilmes aus dem Urinalbereich, aber es pladdert. Gehörig.

Billie Holiday singt den Blues, und die Tropfen schlagen Blasen auf dem Asphalt.

Dicke Baumaschinen reißen links vor dem Haus den Asphalt auf, rechts klirren Kräne, zusammen mit heulenden Hiltis. Die Knochenschinkenresidenz ist fast fertig, da fängt die Großbaustelle Westtangente mit großräumigen Verkehrsumleitungen an.

Morgens um fünf schmeißen die Arbeiter die schwarzen, hohlen Pastikfüße und die rot-weißen Absperrpömpel vom LKW. Um diese Zeit reicht der Hall so weit, dass es auch die Schläfer*innen in andren Stadtteilen in aller Deutlichkeit hören können: Hört her! Hier wird gearbeitet!

Dann fräsen, baggern, reinigen, fräsen, baggern, reinigen, bis Abends alles gebaggert, gefräst und gereinigt ist.

Am nächsten Tag und auch am übernächsten bleiben alle Baumaschinen verschwunden. Kein Arbeiter ist vor Ort. Bestimmt muß sich das Gefräßte erst setzen.

Ein Großraumbuggy mit Platz für vier Kinder und ebenso vielen Passagieren, wird von einer Frau die Zone hochgeschoben. Ein Hingucker.

Der Baumpisser gestikuliert mit steifen Fingern in seinem Selbstgespräch. Er hat schon länger keine Bäume mehr in der Zone gewässert. Die letzte Standpauke seiner alten Mutter hält ihn noch etwas zurück.

Die Lampen in der Zone können sich nicht zwischen An und Aus entscheiden. Das natürliche Licht ist so duster, dass alle Sensoren verrückt spielen.

‚Der mit dem Mülleimer schimpft‘ trägt eine Herrenhandtasche aus den Achtzigern am Handgelenk und schimpft. Die Mülleimer sind frisch geleert. Keine Chance auf Pfandware.

Jetzt singt Rio ‚Für Dich‘, was immer noch eine Gänsehaut wert ist und in jedem Fall besser wirkt, als feuchte Melancholie im Dauerregen.

Alles wird gut

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Die letzten Tage waren gefüllt mit Bildern harter Staatsgewalt und mittelweicher Gegenwehr. Alte Traumata juckten, und traurig konstatierte ich: die Pfeffersäcke haben nichts dazugelernt.

Die Regierungen insgesamt haben nichts dazugelernt.

Je souveräner das Volk, desto panischer der Staat.

G7, G8, GSG9, G20, das ist alles so letztes Jahrhundert.

Wenn sich Regierungshansel*innen unbedingt treffen wollen, dann sollen sie das doch auf einem Kreuzfahrtschiff tun. Irgendwo im Mittelmeer, Pazifik oder Atlantik. Da gehen sie uns nicht auf die Nerven.

Derweil kommen, rummsfallera, Identitäre mit C-Star und Hipsterbärtchen und wollen auf alle Gummiboote im Mittelmeer schießen. Deren Muttermilch muss auch kontaminiert gewesen sein. Zum Glück Aller dümpeln sie gerade im Suezkanal und werden auch hoffentlich nie wieder weggelassen.

Blechkotze, coffe to go, polnisches Kapusnik und ungarische Eselswurst, in der mehr Empathie steckt, als in ungarischen und polnischen Regierungsparteien zusammen.

Was ist denn nur los mit euch?

Ihr seid so bar jeden Mitgefühls, eitrig in der Sprache und pausenlos Arsch. Das ist nicht gut für die Gesundheit. Euer Testosteron ist verstrahlt, eure Gehirnstrunktur ist kongruent mit KZ-Bauplänen.

Das ist traurig, aber zum Glück nicht endgültig.

Die Bürger*innen formieren sich gerade in Massen, halten ihr Smartphone in die Dunkelheit und versuchen, euer Leben zu erhellen. Die wollen nicht, dass ihr tut was ihr tut.

Ein tricky dick Diktator reicht eigentlich in der Nachbarschaft. Wir haben derer zwei.

Pulin, äh, Statin und den Irren vom Bosporus. Dann noch die Orange im Washington und die Kartoffel in Warschau.

Nein, das nehme ich zurück. Die Kartoffel war mal Kinderstar. Den hat die Filmindustrie versaut.

Bubi Scholz – nein, der hat sein Frau erschossen – Olaf Scholz hat die Bürger*innen der Hansestadt der nicht existenten Polizeigewalt zum Fraß vorgeworfen.

Jetzt fragen sich die Bürger*innen, ob sie sich vielleicht selbst verletzt haben könnten.

Heute schneiden wir uns nicht, heut sprühn wir Pfeffer in unser Gesicht.

Und ein im Kopf gesungener Refrain, von dem ich nicht weiß, woher er stammt.

Duda hat n Loch im Bauch, duda, duda. (Vielleicht kann mir ja einer sagen, woher das stammt.)

Und juchu, er legt sein Veto ein.

Alles wird gut.