Gewissensprüfung

narrklein

Es ist ärgerlich. Jedes mal.

Ich habe eine Idee, schreibe sie aber nicht auf, weil ich denke, die sei so gut, dass ich sie nicht vergäße.

Dann vergesse ich sie, und sie landet, statt auf Papier, im nebulösen Nirwana meiner verstaubten Synapsen.

Das ärgert mich. Immer. Je mehr ich mich anstrenge, die Idee im Kopf wiederzufinden, desto leerer wird dieser.

Manchmal, und gerade hat es geklappt, hilft es, sich mit komplett anderen Dingen zu befassen.

Der Faltenwurf von Sommerkleidern wird bei hohen Temperaturen durch Schweißbäche verhindert.

So etwas in der Art.

Dann kann es geschehen, dass der Gedanke, die Idee, noch einmal aufpoppt und zündelt wie ein Ziesemännchen. Wie gerade eben.

Gewissensprüfung.

Das war die Idee und der Gedanke.

Ende der Siebziger und Mitte der Achtziger wurden an mir jeweils eine Gewissensprüfung vorgenommen, da man mir nicht glauben wollte, dass ich keine Menschen töte.

Zumindest nicht auf Befehl eines uniformierten Hampelmannes.

Soldaten sind für mich auch heute noch Mörder, die ihr mörderisches Handwerk in drei Monaten erlernen. Dann ist man Mördergeselle. Verpflichtet man sich für länger, kann man auch seinen Mördermeister machen.

Ich schweife ab.

Es war spannend, mein Gewissen damals zu erforschen, ethische Standpunkte zu entwickeln und zu festigen. Vieles davon ist Grundlage, wie ich heute ticke.

Die Idee war, eine Gewissensprüfung für angehende Politiker*innen einzuführen.

Die sitzen dann vor einem Gremium parteiloser Volksvertreter und müssen Fragen wie:

„Wie entscheiden Sie sich, wenn die Opposition einen sinnvollen Antrag stellt, ihre Parteilinie aber aus Prinzip alles Gegnerische verneint?“ beantworten.

Wer da die falsche Antwort gibt, kommt mit Eselsohren in die Ecke, oder muss für ein Jahr sozialen Dienst in einer caritativen Einrichtung leisten.

Das könnte uns vorwärts bringen.narrklein

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Ein Kommentar zu „Gewissensprüfung

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