Pfingsten in der Stadt

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Il peto will anbandeln.

So jedenfalls sieht es aus der Ferne aus. Wie er beschwingt um die weibliche Spielhallenaufsicht herumscharwenzelt.

Ein schönes Wort: Scharwenzeln. Aber die Aufsicht lehnt gewichtig im Türrahmen, raucht und scheint nicht weiter interessiert an ihm.

Haben Spielhallen eigentlich noch eine andere Funktion, als die der Geldwaschanlage.

Auf dem Weg in die Zone komme ich an drei Spielhallen vorbei, insgesamt mögen es gefühlte drölfzig Hallen dieser Art in Menden geben. Bei den Dreien, während des Fußwegs ins Zentrum der Stadt, seh ich so gut wie nie Menschen hereingehen oder herauskommen.

„Es gibt keinen Anfang. Es gibt kein Ende“, philosophiert es lautstark aus einem betrunkenen Kurzhaarschnitt heraus.

„Schrei mich nicht an“, antwortet sein, ebenfalls betrunkenes Gegenüber. Beide stehen, versteckt hinter Büschen , bei Roths Büdecken.

Da das Trinken von Alkohol an der Bude verboten ist, genießen sie ihr Bier im schattigen Blättergespinst während ihres philosophischen Erbrechens.

Kein Anfang, kein Ende und wir mittendrin.

Das müssen sich auch die Koten denken, die sternmarschmäßig, einmal im Jahr, Freitags, vor der Kirmeseröffnung, aus allen Kindertagestätten und Gärten des Mendener Umlandes, in das Zentrum geführt werden, um den Schaustellern bei dem Aufbau ihrer Karussells zuzuschauen.

Für Kids ist das das Größte. Zum ersten Mal bewußt die Kirmes wachsen zu sehen, bedeutet etwas.

Plötzlich darf man mitten auf der Straße gehen. Autos fahren nicht, nur die großen LKWs mit den noch größeren Karussellteien.

Der Geruch erst.

Alles noch zart. Erinnerungen an die Kirmes davor. Der Mandelwagen öffnet seine erste Klappe. Da stehen venizianische Pferdchen in der Zone neben Ledertaschen und Kräuterbonbons.

Da sind, ganz digitalfrei, neue Bogenschießstationen und zwei Fröscheklopperstände. Und erst die wilden Karussells für die Großen. Da, der Astronautenaffe, und wo sonst der Mäusezirkus war, ist heute ein mobiles Indoor-Paradies.

Überall diese Spinner. Das haben doch sonst nur die ‚besonderen‘ Kinder bei uns gemacht. Guck mal. Ich kann das viel besser.

Überall Daddel-Automaten. Die, bei denen man Münzen vor eine Schaufel so platzieren muss, dass andere, möglichst viele, Münzen in den Schlitz fallen. Die, bei denen man mit dem mechanischen Greifarm Plüschtiere, Handys, Armbanduhren oder, dieses Jahr, die Fidget-Spinner erwischen kann.

Die, bei denen man auf aufsteigende Huppel schlagen muss, oder Holzkugeln in Löcher werfen, oder Strippen ziehen oder Enten angeln.

Neben Langos, Champignons, Wok-Nudeln oder Gurken ist verbrannter Lachs dieses Jahr der heiße Scheiß.

Und was beim Aufbau noch große Augen verursachte, bringt bei dem Besuch mit Mama und Papa häufig Tränen und Geschrei.

Nur nicht beim Musikexpress.

Da sind die Mütter noch so jung mit ihren Kindern. Sie schauen ihnen wehmütig nach, wenn, Tempo-Tempo-dienächsteFahrtgehtrückwärts, der neuen Generation die Fliehkräfte schmackhaft gemacht werden.

Vielleicht sollte es il peto hier mal versuchen.

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