mein kleiner Bengel

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Die Frühschicht der Spielhallenaufsicht trägt einen dicken Wollponcho, der die gleichen großflächigen Muster zeigt, wie in der Fensterwerbung ihres Arbeitsplatzes.

Das ist gelebte Identifikation mit dem Job.

Steht sie vor der geschlossenen Eingangstür, verschwindet ihr großer Körper zu 80% in den Mustern.

Ihre Kollegin erreicht das durch einen Jogginganzug in grauem Tarnfleckmuster.

Man soll sie nicht sehen bei der Aufsicht.

Die suchtkranken Spieler*innen sind paranoid genug.

Ich hab ein neues Fahrrad.

Für Peter P. Ist die Schräglage der oberen Rahmenstange ästhetisch bedenklich.

Mir ist sie ganz recht. Wie oft hab ich mir die Hoden gequetscht, wenn ich nach vorn vom Sattel gerutscht war.

So werden die Hoden bloß daran erinnert, dem Kopf zu sagen, er möge aufmerksam sein.

Gestern hab ich den Wohlfühlschmerzbereich verlassen. Da waren zu viele Steigungen in der Tour.

Aber ganz ehrlich. Völlig bolle. Der kleine Bengel brüllt in mir vor Freude.

Wenn er nicht ein trotziger Bengel ist, der die Arme mit finsterer Miene vor der Brust verschränkt und mault: “Mach ich aber nicht.“

Da kommt dann aber ganz fix die erlernte Verantwortung und erwidert gelassen: „Mach es, oder Du bist draußen.“

Menno, denkt sich der Bengel und macht es. Er kettet das neue Fahrrad ans Haus. Hinten. Im Garten, während die Verantwortung auf der Treppe steht und sich selber auslacht für ihr Gebaren. So ist das mit Erwachsenenliebe. Da bindet man an sich. Vertrauen hin oder her.

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