Nasendusche

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Montag Morgen.

In dieser kleinen Stadt gibt es jetzt kaum Menschen, die aufrecht gehen oder glücklich blicken. Die Schultern hängen, der Blick ist auf den Boden geheftet.

Der Schulzzug ist noch nicht vorbeigekommen.

Keine Begeisterung, die anstecken könnte. Das tun hier bloß Viren und Bazillen.

„Ich. Ich bin dran“, versucht ein russischsprachiger Mann mit Krücken sich erfolglos vorzudrängeln. Die Krücken trägt er unter dem Arm. Vielleicht nutzt er sie, wenn er des Mitleids bedarf.

Hilft hier nicht. Nicht Montag morgen. Hundert prozentig nicht.

Gibt es eigentlich bei 100% ein Lokalrunde, Herr Schulz?

Die E-Zigarette ist dem E-Rohr, aus dem es jetzt gehörig dampft, gewichen. So groß wie ein halbes Würgeholz und doppelt so schwer.

Überall nur Schwanzvergleich. Ätschibätschi. Kindergarten, dampfende Colts.

Morgen ist Feuerstättenbegehung vom Bezirksschornsteinfeger. Das hört sich archäologisch an.

Vielleicht zeichne ich die Umrisse eines Mammuts mit Kohle an die weißgekalkte Kellerwand.

Sechs heranwachsende Männliche überfluten ihre Umgebung mit ausgewählten Gerüchen aus Duschgel, Shampoo, Deo und Rasierwasser. Ist nicht mehr schlimm.

Ich kann seit Neuestem mein olfaktorisches System neustarten. Ich habe eine Nasendusche und ich benutze sie.

„Schneewittchen, Du alte Mettstulle“, brüllt wer quer durch den Laden mit dem meisten Schnickschnackschrott in der Stadt.

Um diese Gerüche aus den Nebenhöhlen zu bekommen, werde ich die Nasendusche mit Bleiche befüllen müssen.

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