Siegfried

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„Sind Sie solo, so wie ich“, zischt es aus seinem stoppelbartumrundeten, fast zahnlosen Mund.

Sie schüttelt den Kopf.

„Oh schade! So eine hübsche Frau. Und dann noch Polin. Wie meine Mami. Aber damals war das noch deutsch. So schade.“

Es ist nicht ersichtlich, was für ihn so schade ist.

Dass sie einen Partner oder eine Partnerin hat? Dass Polen nicht mehr deutsch ist? Dass sie eine hübsche Frau ist?

„In Sarajewo waren die Schlimmsten“, raunt ein ehemaliger Fernbusfahrer, während leise ein Supertrampklonklaviersolo im Hintergrund spielt

„Hab ich Angst gehabt um Leben. Ein Paderborner bitte.“

Die Kälte läßt meine Haut zur schuppigen Reptilienhaut mutieren. Vielleicht verwandle ich mich ja in Siegfried. Hätte was. In dieser Jahreszeit würde kein fallendes Blatt meine Unverwundbarkeit beeinträchtigen. Nur Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Und das Bedürfnis, mich zu kratzen.

Der Stadtanzeiger huscht rückwärts und kältevermummt in den Vorraum der märkischen Bank, die Fußgängerampel immer im Blick.

Bei Rot über die Ampel zu gehen ist ein Verbrechen, dass bei jedem Wetter und jeder Temperatur geahndet werden muß.

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