Glaube

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„Ja. Der Glaube versetzt Berge“, sagte Gott, „ich hab da nüscht mit zu tun. Ich hab ja auch nichts mit dem neuen Dschungelkönig zu tun. Das ist Menschenwerk. Da halte ich mich raus. Ich fisch mir nur eben die Coupons aus der Zeitung, aus der auch und schon zieh ich mich wieder zurück. Ich hab genug andere Entitäten, um die ich mich kümmern muß.

Die Währung der Götter ist Bewußtsein, da treten wir schon mal mit harte Bandagen an. In diesem Universum haben so viele Götter ihren Senf, ja gut, Bewußtsein dazugegeben. Da blickt keiner mehr so richtig durch. Niemand weiß, zum Beispiel, ob Knut Knolle auch was abbekommen hat, oder ob der doof wie Brot ist.

Nein. Glaubt. Glaubt weiter, intensiver. Und wenn ihr fest dran glaubt, wird sich die keifende Orange im weißen Haus in einen menschenfreundlichen Pfirsich verwandeln.

Das wäre ein gewaltiger Berg, den ihr da versetzen würdet.

Also: Meinen Segen habt ihr.“

Man gönnt sich ja sonst nichts

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Bla-bla-bla möchte ich diesen Text beginnen.

Ich bekomme mein Geplapper nur gestillt mit intensiver Meditation. Dann ist Ruhe im Kopfkarton. Die andere Zeit ist Bla-bla-bla. So wichtig, wie ein Polizist mit Wursttüte.

Kein Menschenfreund.

Heut bin ich kein Menschenfreund.

Die Rößler-Gang diskutiert über die besten Parkplätze mit religiöser Inbrunst.

Automatentickets sind die Hostien des 21ten Jahrhunderts, Tiefgaragen die Sakristei der Verbrennungsmotoren. Das Blut Christi hat 89 Octan und wie ich schon sagte: Blablabla.

Dr. Tod begrüßt mich mit Namen und ehemalige Notfallpatienten mit: Na du kleine Fluppe, und keckerndes Lachen erfüllet den Raum.

Grund zur Besorgnis?

Alles Bekloppte, sagt der Ekelpapst. Alle, die gegen die Autobahn sind. Obama habe das Land in die Schulden getrieben, Trump müsse das besser machen.

Wieso ist der eigentlich hier, der Ekelpapst. Er wälzt sich in der Suhle seiner Absonderungen, die andere nur unangenehm eklig und/oder ganz besonders widerlich finden.

Allerdings ist sein Nachbar der Realschullehrer in Pension mit dem größten Ekelfaktor. Der ist von seiner Geisteshaltung und seinen Aussagen dem Ekelpapst rechts ebenbürtig.

Der Nörglertisch hält die Ohren gespitzt.

Vielleicht kann man die eine oder andere Widerlichkeit weiterverwerten.

Man gönnt sich ja sonst nichts.

Siegfried

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„Sind Sie solo, so wie ich“, zischt es aus seinem stoppelbartumrundeten, fast zahnlosen Mund.

Sie schüttelt den Kopf.

„Oh schade! So eine hübsche Frau. Und dann noch Polin. Wie meine Mami. Aber damals war das noch deutsch. So schade.“

Es ist nicht ersichtlich, was für ihn so schade ist.

Dass sie einen Partner oder eine Partnerin hat? Dass Polen nicht mehr deutsch ist? Dass sie eine hübsche Frau ist?

„In Sarajewo waren die Schlimmsten“, raunt ein ehemaliger Fernbusfahrer, während leise ein Supertrampklonklaviersolo im Hintergrund spielt

„Hab ich Angst gehabt um Leben. Ein Paderborner bitte.“

Die Kälte läßt meine Haut zur schuppigen Reptilienhaut mutieren. Vielleicht verwandle ich mich ja in Siegfried. Hätte was. In dieser Jahreszeit würde kein fallendes Blatt meine Unverwundbarkeit beeinträchtigen. Nur Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Und das Bedürfnis, mich zu kratzen.

Der Stadtanzeiger huscht rückwärts und kältevermummt in den Vorraum der märkischen Bank, die Fußgängerampel immer im Blick.

Bei Rot über die Ampel zu gehen ist ein Verbrechen, dass bei jedem Wetter und jeder Temperatur geahndet werden muß.

Nach dem Schlußapplaus

Das kann ich gut.

Eine Krankheit solange verdrängen, bis die Aufgabe erfüllt ist, um nach dem Schlussapplaus stilvoll zusammenzuklappen.

Jetzt hab ich das Bild von blutigen, stacheligen Fetzen an Stelle von Lunge oder Bronchien vor Augen.

Atmen schmerzt, Schlucken schmerzt, Husten Hölle, gepaart mit Schweißausbrüchen und Frieren.

Bei meinem Hausarzt, seit vierzig Jahren vertrautes Gegenüber, herrscht im Wartezimmer eine Husten-Röchel-Sputum zieh hoch – Kakophonie.

Jean-Paul – der eigentlich Filippo heißt und vorgibt, früher wie Belmondo ausgesehen zu haben- ist da und reicht mir die Hand.

„Schon zweite Mal heute. Was machst? Verfolgst mich?“

„Jeden Deiner Schritte.“

Er lacht so laut, dass der Sohn des Pizzabäckers aufmerksam wird und aus dem Wartezimmer grüßt. Der Einarmige betritt nach mir die Praxis. Heute scheint die gesamte Nachbarschaft vertreten zu sein.

Jean-Paul wird angerufen, und da er auf Lautsprecher gestellt hat, können wir alle mithören, wir er mit seiner Tochter auf italienisch telefoniert.

Ein anderer, schmetternder Klingelton, und jemand spricht lautstark in glasklar akzentfreier, deutsch-türkischer Sprache.

Ein Ping, ein Jodler, vielleicht halluziniere ich schon.

Dafür könnte die Mischung aus afrikanischen Schnitzereien, Herzschrittmachen in Kunstharz-Optik, Steinen und Familiengalerien im Behandlungsraum durchaus sprechen.

Des Docs Gemahlin lacht aus einem Bilderrahmen.

Es gab eine Zeit, da spielten sie und ich gemeinsam Pferd in Iserlohn.

Nach diesem Gedanken beschleicht mich die Befürchtung, mein ganzes Leben sei eine Halluzination.

„Sag an.“

„Mir hat jemand in der Nacht von Samstag auf Sonntag Stacheldraht in Lunge und Bronchien gepflanzt.“

Er steht auf und legt sein Stetoskop um. Ich will mich meiner oberen Kleidung entledigen, aber er winkt ab, drückt mich mit links zurück in den Stuhl, während seine Rechte mit dem Stetoskop unter meiner Garderobe verschwindet.

Jetzt erst merke ich, wie verschwitzt und klebrig meine Haut ist.

„Ach, da hab ich schon Schlimmeres gehört,“ bekomme ich als Antwort für meine dramatische Ansage.

„Kommt der böse Husten, nachdem Du Dich hingelegt hast“, fragt er, mich über den Brillenrand anschauend. Irgendetwas schwingt in seiner Frage mit, aber ich kann nicht feststellen, was es ist.

„Ja. Bei genauerer Betrachtung.“

„Gut. Tablette und Tropfen nach dem Essen. Morgens und Abends eine, bis die Packung leer ist. `Ne halbe Stunde vor dem Schlafengehen 30 Trpf. Auf einen Teelöffel Zucker.“

„Wie bei Mary Poppins.“

„Ich schreib Dich bis Freitag…“

„Brauchst Du nicht.“

„Ach ja.“

„Grüße an die Frau Gemahlin.“

„Wenn ich zu Wort komme.“

Aus dem Behandlungsraum in die nächste Halluzination.

Oder wieso sonst sollte jetzt der ehemalige Bürgermeister in der Schlange vor der Rezeption stehen.

In der Apotheke werde ich mit Werbetaschentüchern und Brustkaramellen beschenkt und bekomme außerdem noch Antibiotika und Codein.

Schon mit Blick auf mein Bett und einem Knie aus der Hose, klingelt es.

Der Schornsteinfeger ist da.

Jetzt wird alles gut.

crazyw1
you do like voodoo