Koffee verkert (ein Kurzurlaub)

Es ist eine kleine Aufregung. Abends vorher schon. Schön.
Ein paar Tage Urlaub im Irgendwo. Die Ungewißheit ist Teil der Aufregung. Wo werde ich die nächste Nacht verbringen? Irgendwo, weit außerhalb von Menden jedenfalls, aber selbst die Himmelsrichtung steht noch nicht fest.
Nur ein paar Tage weg. Gib mir Input, Welt.
Bestimmt, weil ich, einer romantischen Vorstellung zu Ehren, Menden im dunstigen Mogengrauen verlassen wollte, aber leider verschlief und so die Abfahrtsplanung aushebelte, ließ Menden mich nur widerwillig los.
In Filiale Schießmichtot, ich nenn es ‚Cafe Hoffungslos am Fröndenberger Bahnhof‘, überbrücke ich die ewig dauernde Anschlußzeit nach Dortmund mit einem Kaffee. Nach der Rückkehr zu den Gleisen steht dort die kleine Antigone mit ihrem Freund. Freude. Ich herze sie, ihr Freund gibt mir seine Hand, als überreiche er mir einen toten Schmetterling.
„Nicht drücken, hab grad Schiene ab. War gebrochen.“
Danke für den Tipp, Universum. Die nächsten Tage werde ich behutsam sein.
Der Dortmunder Hauptbahnhof lädt nicht zum Verweilen ein. Hamburg, nö. Berlin, nö. Enschede, hm. München, starkes Lufteinziehen durch zusammengebissene Zähne. Dem Ritual nach – der erste Zug in die Ferne, der den Bahnhof verläßt, wird genommen – müßte ich Enschede nehmen. Hamburg und Berlin fallen durchs Raster, weil bekannt. Aber Enschede?
„Du fährst doch sowieso nach Rotterdam“, sagte Peter P. und tatsächlich bin ich damals, als das Ritual noch neu war, über Enschede dorthin. Deswegen fällt Rotterdam natürlich auch durchs Raster. Aber es wäre eine Möglichkeit, mit meiner infantilen Vorverurteilung über Den Haag aufzuräumen. Die ja nur durch meine eigene Dummheit zustande gekommen ist.
Damals brachte mich der Zug nach Den Haag, obwohl ich nach Rotterdam wollte.
Es war spät, das Wetter usselig und ich landete in einem viel zu teuren Hotel, in einem Zimmer, in dem eine ausgelassene Musterkakophonie tobte – jedes Ding dort hatte sein eigenes, großes Muster, genug für mindestens einen Augenkrampf, mit Aussicht auf einen schmuddeligen Platz mit Treppen, Kids und Skateboards, und ich sagte damals: Nie wieder. Den Haag ist doof, und Rotterdam war danach einfach wundervoll.
DSC02084Das ist doch kindisch. Aber echt jetzt.
Also Enschede und weiter nach Den Haag. Prinzessinnenstadt.
Enschede scheint in der Hand von helmlosen Vespafahrer*innen zu sein. Sie brausen mit Benzin oder elektrisch so dicht an einem vorbei, in Italien wäre die Handtasche jetzt weg. In Cafes gilt kein Bares.
„Only card.“
2,50 € mit Karte zu zahlen ist auch eine Erfahrung.
Am Bahnsteig dann ein bekanntes und ein unbekanntes Problem.
Er kann nur betreten werden, wenn vorher der Code auf dem Ticket eingescannt wurde. Mein Ticket hat keinen Code. Am Fahrkartenschalter bekomme ich als Antwort eine Keycard.
Abschnitt A, so steht auf der Anzeigentafel, fährt nach Den Haag, Abschnitt B nach Rotterdam. Da ist mir beim erstenmal, als es noch keine Drehkreuzabsperrung gab, der Fehler mit dem falschen Zug passiert. Es gibt keine Abschnittsmarkierungen. Im Zug selber wissen die holländischen Mitreisenden, dass der Zug sich teilt. Aber welcher Teil A oder B ist, wissen sie auch nicht. Ich solle auf die Zugdurchsagen achten.
Es ist immer ein großes Vergnügen, bei der DB den Durchsagen auf Englisch zu lauschen. Wenn knackige Zugbegleiter mit sächsischem, schwäbischem oder hessischem Akzent das ‚th‘ herausschleudern, knarzen die Membranen der Lautsprecher. Aber sie versuchen es.
Bei den Holländer nur holländisch.
Die Möglichkeit, aus Versehen in Rotterdam zu landen, ist also nicht so gering.
Aber alles gut. Um kurz nach 17.00 Uhr verlasse ich den Bahnhof in Den Haag. Da ist grad Kermis. Ein Riesenrad in der Ferne und typischer Kirmeskrach.

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Erste Aufgabe – und es ist schon spät, weil verschlafen, wie Anfangs erwähnt – ein Hotel suchen.
Wie immer, wenn man etwas angestrengt sucht, verbirgt es sich. Kurz nach 19.00 Uhr finde ich das erste Hotel. Ausgebucht. Dann das Zweite. Ausgebucht. Es sind Blumentage in Den Haag, meint der Rezeptionist. Da sei alles voll. Na prima. Also weiter. Ich sehe einen Platz mit vielen Treppen, hm. Dahinter das Tanztheater.Nebenan ein Klotz von Hotel Mercur. Aber die Füße tun weh, und wirklich nur für eine Nacht wohne ich dort für teuer Geld. Im Zimmer blicke ich durchs Fenster und erkenne aus der erhöhten Position den Platz mit Treppen. Das Hotel ist komplett renoviert in Grautönen. Kein Augenkrampf mehr, aber es ist das gleiche Zimmer wie damals. Um die Situation zu vervollständigen, läuft im Fernsehn wie damals Harry Potter. Nur der Pornokanal ist geblockt, weil ich im Voraus bezahlt habe.
Das ist schräg.
Ich sollte mir wirklich nicht vornehmen, etwas ganz bestimmt nicht zu tun. Denn genau das wird dann geschehen. Immerhin hab ich für die erste Nacht ein Bett. Darauf einen kleinen Spaziergang und einen Koffee verkert.
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Fast Vollmond. Im chinesischen Viertel glühen die roten Lampions. Dort finde ich ein Hotel, mit dem ich es am nächsten Tag versuchen werde. Dann, in der Dämmerung, stoße ich auf zwei Bäume, die einen Höllenlärm machen. Zwei Kolonien von großen Sittichen, die versuchen, die Dohlen aus ihren Schlafbäumen zu vertreiben, brüllen die ganze Gracht zusammen. Spooky.
Kurz vor dem Hotel, (ich fass es immer noch nicht) finde ich ein Cafe das zufällig auch ein Koffee-Shop ist. Koffee verkert, schreiben, rauchen. Aber nur im hinteren Teil. Vorne ist rauchfrei.
Durchatmen. Diese Nacht ist, wenn auch teuer erkauft, sicher.

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Am nächsten Morgen wachgeworden durch einen Traum von einem völlig falschen Schmerz im Ellenbogen, der mich daran erinnern sollte, dass ich die Tablette am Abend davor vergessen habe zu nehmen. Zipperlein.
Nichts ausgepackt, nichts einzupacken. Tasche an der Rezeption deponieren, losziehen, Hotel von gestern gucken und fragen und Treffer versenkt. Patten – Hotel. Noch nie gehört, chinesisch – holländisch. Es ist preiswert, sauber und hat keine Fenster. Vier Nächte hier kosten so viel wie eine Nacht im Mercur. Dafür ist die Rezeptionistin freundlicher, und ich kann auch mit meiner Karte bezahlen. Im Mercur fasste der Rezeptionist sie an als hätte er etwas sehr ekelhaftes vom Boden aufgehoben. Deswegen mußte ich nochmal los und Bares zu ziehen.
Einchecken ab 15.00 Uhr. Genug Zeit für den ersten großen Spaziergang. Fremde Städte sollte man Anfangs zu Fuß erobern.

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Den Haag riecht gut. Die Stadt hat eine interessante Stufe des Verfalls, der Renovierung und Neugestaltung inne. Gemäßigte Szene, vielfältig, unterschiedlich, kompakt, trotzdem durchlässig. Und sie riecht gut. Frisch. Nach See, nach Gewürzen, nach Wohlfühlen mit einem Hauch von Zimt.
Nirgendwo Obdachlose. Also nicht offensichtlich. Ein Lizensierter verkauft mir eine Obdachlosenzeitung, einer haut mich wegen etwas Kleingeld an. Das wars.

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Die aktuellen Neubauten sind so dezent wie eine Boing auf einem Segelflugplatz, dann kann ich endlich einchecken. Zimmer Nr. 25 ist wirklich ohne Fenster. Es ist stockfinster und das Schloß mach piep-piep-pöp.
Doppelbett, Schreibtisch, Schrank, ein Tischchen mit zwei Drehsesseln, eine Schale mit frischen Äpfeln, ein Wasserkocher, ein Kästchen mit zwei Beuteln Darjeeling,, zwei Beuteln Nespresso, zwei Mal Zucker und zwei Mal Trockenweiße. Das Badezimmer auf dem neuesten Stand, Wlan, alles da für ein paar Tage.
Prince sei tot, steht auf twitter in meiner Timeline. Dann smse ich noch der Liebsten, alles sei gut, vielleicht noch etwas Geld überweisen. Das Mercur hat deutlich zu viel vom Budget gefressen. Der Abschickton ist noch nicht verklungen, ab in die Hose mit dem Handy, raus in den Tag. Prince war so alt wie ich. Weiter geht die Stadtbegehung. Als erstes besuche ich den Vogelbaum. Bei diesem Licht sind bestimmt Bilder drin. Kein Vogel in Sicht. Dafür ein paar Schritte weiter ein Schaufenster mit muslimischer Damenoberbekleidung in Braun, Schwarz und Grau. Bärte, Kaftane, ein Schulzentrum, dessen Pausenaufsicht ich keinesfalls widersprechen würde. Vor einem Haus mit großem Schild „Milli Görüs“ werde ich von Strenggläubigen, die in der Sonne sitzen, streng und ungläubig gemustert. Wie viele Kameras der holländischen Staatsschützer sind jetzt wohl auf mich gerichtet?

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Dicht angrenzend an den großen Schulhof eine Weide mit Ziegen, Kühen, Schafen, Katzen. Fast Idyll. Alles ruhig. Nur die Möwen und die Tauben tragen ihren interkulturellen Zwist auf offener Straße aus.

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Zurück im Hotel, will ich meine Liebste anrufen, aber eine Frauenstimme sagt mir, dafür reiche mein Guthaben nicht aus. Ich bemerke auch, das die sms nicht abgeschickt worden ist. Alle weiteren Versuche schlagen ebenfalls fehl. Ich hab vergessen, den Handytarif zu ändern. Spontanität hat ihren Preis. Dann muß ich von der Rezeption aus anrufen.
Nein, die freundliche Frau versucht es mehrmals in verschiedenen Variationen. Kein Durchkommen. Merde. Wär aber schon gut, irgendwie mit der Liebsten Kontakt aufzuehmen. Mein finanzielles Polster reicht allenfalls bis zum nächsten Tag. Verfluchtes Mercur. Was tun?
Als ich mal auf Korsika strandete, hatte ich auch kein Geld. Aber es gab Telefonzellen, und die französischen musste man erst bezahlen, wenn die Verbindung stand. Zeit genug für ein: Ich bins. Bin da und da. Mir gehts gut. Schickt Geld.
An dieser Stelle ein dickes Danke an @jawl, den ich in irgendeinem Konzert aufscheuchte, meine Liebste, die leider nicht bei twitter ist, zu kontaktieren, damit sie mich anrufe. Was, wie sich herausstellte, auch nicht funktionierte.
Also twitterte ich ihm die Telefonnummer der Hotelrezeption. Vorsichtshalber auch noch meinem Schwiegervater, damit er sie an seine Tochter weiterleiten möge.
Kurz nach 22.00 Uhr klingelt das Telefon im Hotelzimmer. Leider kann die Rezeptionistin das Gespräch nicht durchstellen und bittet mich, zur Rezeption zu kommen. Dort drückt sie mir den Hörer in die Hand. Nichts zu hören. Sie entschuldigt sich bei mir, spricht mit meiner Liebsten über Lautsprecher und bittet sie, noch einmal anzurufen, da sie das Gespräch jetzt nicht aus dem Lautsprecher rausbekäme.
Ja ist den hier „Rezeptionist*in“ kein Ausbildungsberuf? Zwei Minuten später klingelt es erneut, sie geht ran und reicht mir den Hörer weiter.
Was für eine Aufregung, was für ein Umstand, bloß weil man den falschen Tarif hat.
Außerdem schaukeln sich die holländischen Medien gerade an dem Tod von Prince hoch.
Die Vögel in ihren zwei Schlafbäumen schreien wieder, sind aber kaum zu sehen. Jemand erzählt mir, die Sittiche hätten die Spatzen verdrängt, die früher hier waren. Diese einzige Sittichkolonie von Den Haag würde auch nur auf diesen beiden Bäumen schlafen. Tagsüber seien sie unterwegs, zurück kämen sie zwischen Sieben und halb Acht.

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Lekker Bekker, den ich da gefunden habe. Wer das große Glas Koffee verkert leer zurückbringt, dem füllt es die dreisprachige Bäckereifachverkäuferin kostenlos wieder auf. Da gönn ich mir doch zwei Croissants.

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Das Wetter ist herrlich und überall an den Innenstadtstraßen stehen im Abstand von 30m Skulpturen aller Art. Beim Betrachten sollte man vorsichtig sein. Nicht nur die Straßenbahnen, Busse Autos, sondern und gerade auch die Fahhräder und Vespas sind eine echte Herausforderung. Morgen soll die Vespa ja 70 werden. Hier benimmt sie sich wie ein Kalb in der Pubertät. Kreuz und quer und schlängel und durch und huup und hoppla, jetzt komm ich, von allen Seiten. Mein Kleinstadtverkehrsleitsystem gerät aus den Fugen.
Manchmal ist es wie in Köln, manchmal wie in Neuköln, manchmal reichts auch nur zur Kö. Schlangestehen vor dem Museum am Freitagnachmittag gehört dazu wie diese unsäglichen Reisegruppen, die Samstags einfallen und das Chaos im Verkehr noch erhöhen.
Es gibt eine große Wiese – da ist grad Kermis – und da ist auch eine Baumallee. Sonst ist da kein Park. Zumndest keiner, der zugänglich ist. Das ist bitter. Der Park der Aristos ist nur zum Reinschauen. Durch alte, schmiedeeiserne Gitter. Bitter. Vor dem Eingang zum Palast demonstriert eine kleine, aber laute Gruppe für bestimmt bessere Bedingungen in Papua. Die berittene Polizei ist ganz entspannt unterwegs.

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Gegen 19.00 Uhr bin ich bei den Vogelbäumen, doch kein Sittich in sicht. Das Hotel ist ganz in der Nähe. Da beginnt auch das chinesische Viertel, in dem es bis 23.00 Uhr vor Leben wimmelt. Danach wird es ruhiger. Das Fernsehn spielt jetzt Prince rauf und runter, und zur Gute-Nacht-Zigarette vor dem Hotel brüllt ein Mann mit beiger Pudelmütze, räudigem Fellmantel und Dosenbier seinen Kummer heraus. Sein Purple rain hört sich an wie Fußballfangegröhl.
Die Zigarette mach wach statt müde. Also los. Den Haag bei Nacht beschauen. Es sind kaum Menschen auf der Straße. Von einem großen Kaufhaus im Zentrum wird der Boulevard mit Tangomusk beschallt. Hier sind gar keine Menschen. Das macht es ein wenig gespenstisch.

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Die tropfenförmigen Hängelampen wechseln ihre Farbe von Grün bis Lila. Ein paar Taxen sind unterwegs. Zwei 24h-türkische-Tante-Emma-Supermärkte mit gelangweilten, zahnlosen, alten Kassierern sind menschenleer. Alles still. Wer möchte auch schon den Schlaf der Prinzessin stören.

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Mein Hotelzimmer ist zu dieser Nachtzeit frei von jeglichen Geräuschen. Ist das Licht aus, fehlt nur noch körperwarme Salzlake, und der Tank wäre perfekt.
Für Leute mit Depressionen allerdings ist dieses Zimmer nix.
Das Wetter wird schlechter, weshalb ich den letzten Tag, von kleineren Rundgängen mal abgesehen, in Cafes, Bäckereien oder Restaurants verbringe. Ich entdecke in der Nähe die Straße mit den großen Fenstern, vor denen leichtbekleidete Frauen sitzen. Das Männervolk ist hier zu Hauf unterwegs.
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Ein letzter, erfolgreicher Versuch an den Vogelbäumen. Dass die Sittiche bei diesem Wetter überhaupt fliegen können. Mir ist es fast zu kalt zum Laufen.
Das ändert sich auch nicht am Tag der Abreise. Als ich in Enschede in den Zug nach Dortmund einsteige, empfangen mich deutsche Wanderer und Sänger mit einem kräftigen: Wir wandern ohne Sorgen, singen bis zum Morgen.
Im Sauerlandexpress erzählt die Frau mit dem Getränkewagen und etwas schwerer Zunge, sie arbeite noch bis zum 11. Dezember hier. Dann sei Fahrplanwechsel. Bis dahin gälten die Verträge. Der einzige Rollstuhlplatz, direkt vor dem vollgepissten Klo des Zuges, ist mit einem Rolli besetzt. Jeder, der aufs Klo will, muss den Rollifahrer bitten, ein wenig Platz zu machen, damit man die Tür öffnen kann. Es ist nur kaum Platz da. Ach Bahn. Ist dir eigentlich klar, was du mit Menschen machst?
In Fröndenberg fährt der Anschlußzug nach Menden erst in fünfzig Minuten. Da trampe ich doch lieber.
„Du kennst mich zwar nicht, aber ich kenne Dich“, sagt der Fahrer des Wagens, der mich mitnimmt.
„Ich war früher viel mit Deiner Cousine zusammen. Und ausm Theater und so.“
Ach Kleinstadt. Dafür mag ich dich.

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Platitüdenporno

crazy

„Es ist ja auch nicht schön, hier zu stehen, während da die Brötchen geschmiert werden“, mufft ein wartender Kunde vor der Theke herum. Dann brüstet er sich lautstark, eine Verkäuferin, wegen zu viel Luft im Brötchen, in der Zentrale stramm stehen gelassen zu haben. Er sei nämlich einer, der es denen da oben zeige.
Brr, Brauner, möcht man rufen. Deine Art steht auf dem Index, dein Genstrang auf der braunen Liste auszusterbender Arten.
Dein Dinosauriergehirn sitzt vor dem Steiß, und Du weißt, was sich darauf reimt.
Du führst ein Leben in einem Platitüdenporno. Füllwörter sind dein Auswurf und Beitrag zur gesellschaftlichen Situation. Die Gerichte sind voll von Deinen kleinlichen Nachbarschaftsklagen.
Du pochst auf das Recht, solange es Dir recht gibt. Andernfalls sind die Anderen alle blöd und die da oben haben ja sowieso immer recht.
Du warst schon im 20ten Jahrhundert überflüssig, im 21ten gebührt Dir ein Platz im Museum menschlicher Absonderlichkeiten.
Vielleicht in einer Nische, in einer Vitrine, mit Schild und einem Platitüdenpornotext, den Besucher*innen jederzeit über Kopfhörer abrufen können. Aber nicht mehr in meinem Alltag.

 

narr

Pesthauch

Ein Wochenende des fröhlichen Pesthauches.

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Allüberall Akrylamide. Aus Schmiedeessen, Bratwurstbuden, Stockfischgrillern, Leder, Fett, Stroh, Ammoniak und Xylamon. Man ist sich hier fies vor nix.

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SchaustellerInnen in Uniformen mit mittelalten Gerätschaften tanzen traditionell transpirierend nach Trommel, Tambourin und Sackpfeife.
Zwischendurch versucht ein Verkäufer von Terassenüberdachungen seine Artikel den Passanten aufzuschwatzen.
„Hier kommt der Drachentöter hin“, befahl großmundig ein Organisator bei der Stadtbegehung vor Sinn-Lefers. Es entpuppt sich als ein kümmerliches, grünes Nylonnetz um eine rechteckige Strohschießscheibe für selbstgestrickte Pfeile und Bögen.
Es ist, mit Verlaub, ein billige Art, an einem Wochenende die Stadt mit Menschen zu füllen. Das hat nichts mit attraktiver Innenstadt, sondern nur mit Freßbuden zu tun. Da frag ich mich, was was bedingt. Die umfangreiche Fangemeinde die mittelalten Freßbuden oder oder die Freßbuden die umfangreiche Gemeinde in Wams und mit Felleisen.

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Es gibt auch Indianer und deren Abschlachter im Central-Park, rechts neben der Sichtachse.

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Liegt da eigentlich eine krankhafte Störung vor? Das zwanghafte Tragen unvorteilhafter Kleidung in öffentlichen Parks und Fußgängerzonen an den Wochenenden?

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Manche fühlen sich in die Enge gedrängt.

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„Schau da nicht hin, Junge. Die schaut zurück.“

Endorphino

zeichen       Los jetzt. Zwing dich. In der Sonne zu sitzen, Kaffee zu trinken und Vitamine zu produzieren bringt noch kein Wort auf´s Papier.
Es ist Vormittags, und die Rößler-Rentner machen Geräusche wie eine defekte Herz-Lungen-Maschine inclusive Klicken, Quietschen und Flattern der Gummibälge, Litzen und Ventile. Happy Intensivstation.
Lauter Kranke.
Humpelnde, hinkende Menschen um mich herum. Ein Geruch von frisch geschnittenen Zwiebeln. Das Kleinkind der jungen Familie bekommt ein Viertelscheibchen Brot mit Mett und Zwiebeln.
„Oh schau mal, wie süß der Kleine das Gesicht verzieht.“
Es ist riskant, den Gesprächen der Umgebung zu lauschen. Dummheit ist die Volksseuche Nr.1 und im hohen Maße ansteckend. Da helfen auch keine sterilen Ohrstöpsel.
Eine sehr langsame Großmutter läßt in ihrem Anhang eine nervöse Autoschlange mit, vor Ungeduld auf´s Lenkrad trommelnden Autofahrern entstehen.
Ihr gehört mein Respekt und Menden gehört autofrei.
Ein kleines, maximal sieben Jahre altes Mädchen hält sich locker an Papas Hand auf dem Einrad, während es genußvoll an ihrem, fast gefrorenen, Erfrischungsgetränk zutscht.
Herbie 3.0 rollt mit heruntergelassenen Fenstern und rothaariger Lenkerin vorbei, und das ist plötzlich alles so Blue Velvet im Vorgarten.
Mag sein, meine Wahrnehmung ist ein wenig gestört durch die Endorphine, die meine Zirbeldrüse auf Grund der Schmerzen im linken Ellenbogen im Übermaß produziert. Fieser Schmerz, als würde man sich ständig den Musikknochen stoßen.
Natürlich kommt mein Arzt erst Montag wieder. Selbst getaped ist der Athlet. Blau bringt Kühle, Pink die Hitze.
Man kann schon an viel glauben.

Langes Wochenende

Letztes Wochenende war ein langes Wochenende an der See. Kurze Erholung mit der Familie.

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Vor Ort werden wir stimmungsvoll empfangen.

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Das hört auch am nächsten Morgen nicht auf.

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Immer wieder nett, die Sprönkel im Schlamm.

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Kurpark. Feuerwehrteich, fast kitschig süß.

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Mit Aliens in der Nachbarschaft.

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„Erzähl nicht so´n Schmarren“

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„Fahr lieber in den Hafen. Schiffe gucken.“

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Oder so.

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Es ist Postkartenwetter.

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Sonntags dann der Abschied.

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Kofferpacken für Drüben.

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Du kommst hier net rein.

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Dann lieber ein Stockwerk tiefer.

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Fast wie damals. Als Tante Hanne und Onkel Lothar auswanderten.

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Da war es auch so cocktailsesselkuschelig.