Sicherheit

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„Ich brauche Sicherheiten“, sagt sie. „Für mich, für die Zukunft, für die Kinder, die bestimmt bald kommen, Sicherheit auf dem Konto, auf der Straße. Überhaupt. Es muß sicher sein.“
Sie steht vor der Schaufensterscheibe eines Juweliers, in einer Hand ihr Smartphone, in der anderen einen Regenschirm, eine Schulter leicht eingedellt von dem Trageriemen und hängend von dem Gewicht ihrer Umhängetasche.
Ihre männliche Begleitung, gestutzter Vollbart, kleinkarierte Röhrenhose, nickt, während er die Knie schubbert, als hätte er eine volle Blase.
„Ich will mit Sicherheit diese Uhr haben.“
Er drückt die Spitze seines Zeigefingers gegen die Scheibe, bis die Kuppe weiß wird.
„Nimm das ernst, was ich sage. Meine Lebensplanung bis fünfzig ist fast fertig, und wenn Du weiter darin vorkommen willst, solltest Du das ernst nehmen.“
Er schaut sie an, zieht seine Hand von der Scheibe zurück und lächelt verlegen.
„Die Finanzplanung bin ich mit meiner Bank und meinen Versicherungen durchgegangen. Der Karriereplan ist mit meinem Studium abgestimmt. Ich hab mit meiner Gynokologin wegen in-vitro und Familie gesprochen.“
„Oh, verdammt“, schallt eine Stimme vom Dach des Juweliergeschäftes. Dann blickt ein Gesicht über die Dachrinne nach unten. Die Frau blickt nach oben und während sie dem Handwerker ins Gesicht schaut, bohrt sich sein, aus der Hand gerutschter Kreuzschlitzschraubendreher bis zum Griff über der Nasenwurzel in ihren Kopf.
Ganz sicher ist sie tot.

narr

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