Sicherheit

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„Ich brauche Sicherheiten“, sagt sie. „Für mich, für die Zukunft, für die Kinder, die bestimmt bald kommen, Sicherheit auf dem Konto, auf der Straße. Überhaupt. Es muß sicher sein.“
Sie steht vor der Schaufensterscheibe eines Juweliers, in einer Hand ihr Smartphone, in der anderen einen Regenschirm, eine Schulter leicht eingedellt von dem Trageriemen und hängend von dem Gewicht ihrer Umhängetasche.
Ihre männliche Begleitung, gestutzter Vollbart, kleinkarierte Röhrenhose, nickt, während er die Knie schubbert, als hätte er eine volle Blase.
„Ich will mit Sicherheit diese Uhr haben.“
Er drückt die Spitze seines Zeigefingers gegen die Scheibe, bis die Kuppe weiß wird.
„Nimm das ernst, was ich sage. Meine Lebensplanung bis fünfzig ist fast fertig, und wenn Du weiter darin vorkommen willst, solltest Du das ernst nehmen.“
Er schaut sie an, zieht seine Hand von der Scheibe zurück und lächelt verlegen.
„Die Finanzplanung bin ich mit meiner Bank und meinen Versicherungen durchgegangen. Der Karriereplan ist mit meinem Studium abgestimmt. Ich hab mit meiner Gynokologin wegen in-vitro und Familie gesprochen.“
„Oh, verdammt“, schallt eine Stimme vom Dach des Juweliergeschäftes. Dann blickt ein Gesicht über die Dachrinne nach unten. Die Frau blickt nach oben und während sie dem Handwerker ins Gesicht schaut, bohrt sich sein, aus der Hand gerutschter Kreuzschlitzschraubendreher bis zum Griff über der Nasenwurzel in ihren Kopf.
Ganz sicher ist sie tot.

narr

Ach Mensch.

DSC01620In Fröndenberg nennt man Urgroßmütter Tick-Tack-Omas.
Aber das ist hinter der Ruhr. Da ticken die Menschen eh anders.
Es regnet, aber irgendwie will meine Laune nicht schlechter werden.
Zwischenzeitlich denke ich: Ein Billigschirm mit abgeknickter Strebe sieht schon recht traurig aus.
Und lache.
Dann kommt der ehemalige Getränkegroßhändler mit Kleingeld vom Schützenfest.
„Die Banken nehmen das nicht mehr. Unglaublich, wo?“
Er zieht ein kleines, klingelndes Leinensäckchen und wechselt fünf Euro in Ein- und Zweicent-Münzen. Die Bäckereifachverkäuferin ist entzückt.
Die Szene hat etwas mittelalterliches. Menden hat etwas mittelalterliches. Mit einem Abwasserkanal, der durch die Stadtmitte führt.
Anpacken, sagt der aktuelle rote Vogt. Stärken, sagt der schwarze Möchtegern-Vogt.
Ab über die Planke, sagt der Pirat.
Ab nach unten, sagt die VW-Aktie.
Und während ich noch nachdenke, wo der Verstand der Menschheit gerade Urlaub macht, wird meine Laune doch schlechter.
Ach Mensch.

Qualwahl

crazy

Es wird langsam Zeit.
Das Lügenland war anderweitig beschäftigt, hat einen seiner Autoren hierhin geschickt, und der hat seine Sache gut gemacht.
Nur ist das Problem nicht ausgestanden.
Menden muß sich in einer Stichwahl zwischen der schwarzen Pest oder der roten Cholera entscheiden. Da können wir noch so oft „über´n Berg“ gehen, eine dieser Krankheiten wird sich für die nächsten Jahre dauerhaft in der Stadt etablieren.
Entweder wird die schwarze Wächterflotte das 19te oder 20te Jahrhundert wieder einführen – In den Poenigeturm mit dem Schuldner! – oder Fipsi Fleige, der kulturelle Springteufel der roten Brigaden wird uns weiterhin mit seinen gespreizten Fingern und seinem Ego, groß wie der Panzerkreuzer Potemkin, bespaßen.
Arme BürgerInnen, die sich entscheiden müssen.