Kinderflohmarkt

DSC01383Ihr 72jähriger Zeigefinger fährt aus wie eine elektrische Antenne und richtet sich direkt auf mich.
„Wegen Ihnen wär ich fast gestorben. Damals.“
„Wie bitte?“
„Damals. Da haben Sie diese Schiffbrüchigen gespielt. Ich hab so lachen müssen. Auch noch, als ich zu Hause war. Und Sie waren nackt. Hat mir aber nichts ausgemacht. Bei den anderen Zuschauern – weiß ich nicht. Vielleicht hab ich auch ein bißchen über die gelacht. Aber das ist schon so lange her. Jedenfalls danke.“
Aus dem Hintergrund dringen Gesprächsfetzen an den Tisch.
meine Mutti – ich kann das nicht – 24 Stunden, rund um die Uhr – fast erstickt – Kurzzeitpflege – Altenheim –
Paßt, denke ich. Am Wochenende war der traditionelle Mendener Kinderflohmarkt.
Ein Sozialarbeiter sagte im Vorbeigehen:“ Wer will diese brüllende Brut denn kaufen?“
Und weiter:“ Ich nicht, solange Sekundenkleber auf der Liste verbotener, pädagogischer Mittel steht.“
Ja, es wird uns schon schwer gemacht, den Nachwuchs nicht zu potentiellen Psychopaten zu erziehen.
Kein Schütteln, kein Schubsen, kein Klapsen, kein Schlagen, keine Infibulation, kein Zukleben der Lippen mit Sekundenkleber, kein Struwelpetermärchen, keine Fingerabschneidegeschichten, kein Ochsenziemer, kein Gürtel, keine Holzkleiderbügel, keine Kornmühle, durch die man Max und Moritz schreddern könnte.
Hilft nix. Die Blagen sind da. Greifen wir also auf Güte, Grenzen setzen, Liebe, Respekt und Verständnis zurück. Und wenn alles nichts hilft, einmal im Jahr ist Kinderflohmarkt. Vielleicht kann man ja tauschen.

narr

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