Die dunkle Seite

Bild 005 (FILEminimizer)„Natürlich hast Du auch eine dunkle Seite“, sagte sie lächelnd, während mehrere Schweißtropfen an Schläfe und Stirn in Bewegung gerieten.

„Denk mal an das Hühnchen.“
Dabei lugte ihr eigener, boshafter Schalk hinter den Pupillen hervor.
Der Asphalt dampfte. Es roch nach Benzin, lauwarmem Trinkwasser, Urlaub und Gärung kurz vor faul.
Das Hühnchen.
Vielmehr die Pute (Oder war es eine Gans? Egal.) und das Huhn.
Eine Performance lustvoller Widerlichkeit.
Die Frau war Bestandteil dieser Performance gewesen, hatte sich, wie ich mich, mit Entzücken geekelt.
Doch. Diese Idee war, inmitten kindlicher Unschuld, während eines intensiven Jugendtheaterwochenendes unserer dunklen Seite entsprungen und abends, bei Limo und Geschichtenerzählen sehr schnell gewachsen.
Ein pas des deux mit toten Tieren.
Drei Proben gab es insgesamt. Jedesmal mußte das schwere Geflügel aufgetaut, dann bewegt von ihrer und meiner Hand, wieder eingefroren werden. Bei der letzten Probe kam ein Hühnchen, ein Tütü , ein leichter Verwesungsgeruch, blau-grün-gelbes Fleisch sowie blaßrosa Tropfen auf der Tischplatte dazu.
Knochen brachen, Sehnen rissen, während wir Tanzschritte mit den Stumpen und Flügelhaltungen mit den Stummelchen durchexerzierten.
Die Probe dauerte nicht so lange. Das bunte Geflügelfleisch war fast mürbe und es gab ja noch die Aufführung am nächsten Abend. Und den köstlich, komischen Ekel.
Am nächsten Tag wurden wir von den anderen Mitwirkenden des „Katastrophalen Abends“ etwas geschnitten. Unser Stallgeruch war nicht der ihre.
Als der Vorhang sich öffnete, machte die Hitze der Scheinwerfer die Gänsehaut etwas geschmeidiger.
Erste, zaghafte Schritte, eine Kombination, eine Pirouette, ein kleiner Sprung, und aus der Gans (oder Pute) rutschte das Hühnchen, ebenfalls im Tütü. Vereint tanzten sie die ekelhafteste Choreographie der Tanzgeschichte.
Das Publikum war sehr irritiert.

ps. von der Frau

In meiner Erinnerung hatten wir dem kleinen Hühnchen eine ausgeschnittene schwarze Filzfliege angetackert, bevor wir es in die Tütü-Pute gestopft haben. Und während und nach der Geburt tropfte dann zaghaft und sehr vereinzelt der Putensaft oderwasauchimmer auf die Putenbühne.

Und eine Fast-Schweizerin war die Einzige, der das gefallen hat.

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