Vor und nach einem kleinen Einkauf

DSC01117

Vor dem Einkaufen das Gefühl, an den Erinnerungen anderer teilzuhaben,

DSC01120

nach dem Einkauf brauchten die Augen Trost in schwarz-weiß

DSC01124 DSC01123

Doch das Licht war für Farbe viel schöner

DSC01132

Denkt sich auch die grimmige Habichttaube

DSC01134

Lasse die Birken auf mich wirken

DSC01145

und denke mir: Die sind auch noch nicht weiter seit dem letzten Besuch.

Advertisements

Grad eben

crazy„Schreiben Sie wieder?“
„Ähm. Im Moment reden Sie mit mir.“
„Ja, ja. Was schreiben Sie denn?“
„Nichts. Ich rede mit Ihnen.“
„Schreiben Sie auch über mich?“
„Ich schreibe grad gar nicht.“
„Hihi. Ihnen fällt nichts ein, nicht wahr?“
„Richtig. Dazu fällt mir nichts mehr ein.“

So Tage

DSC00848Das sind so Tage, da ist der Kopf leer und ich denke mir: Schweig doch einfach. Sei ruhig. Halt die Klappe.
Sehe mich zum Stift greifen und schreibe: Das sind so Tage, da ist der Kopf leer. Schweig doch einfach. Sei ruhig. Halt die Klappe. Aber nein. Ich muß unbedingt aufschreiben, dass ich nichts zu sagen habe.
Leg den Stift beiseite, schau aus dem Fenster und warte auf den Postboten, der vielleicht zwei Hosen aus Augschburger Denim vorbeibringt.
Taste vorsichtig den schmerzenden Huppel der rechten Nierenprellung vom Autoscooter fahren mit der Liebsten ab, während die Lunge gurgelnd versucht, sich von den Anstrengungen in der Überschlagschaukel mit dem Patenkind zu erholen.
Das Kind in mir kräht lachend: „Zipperlein, zipperlum. Du bist im Klimakterium.“
Mir bricht frierend der Schweiß aus, der innere Greis wartet auf Altersweisheiten, aber der Kopf ist so leer und ich denke mir: Dann schweig doch einfach. Halt die Klappe.
So Tage sind das.

Kirmeskapitalismus

DSC01097Kirmes ist der Ort, an dem man für eine Trillerpfeife im Warenwert von zwei Cent vier Euro bezahlt mit dem Gefühl, etwas gewonnen zu haben.
Das ist genau das Erfolgsrezept umtriebiger Industrienationen.
Auf der einen Seite die blökende, meckernde Herde die glaubt, Freiheit sei die Möglichkeit, alles kaufen zu können – und Extrafreiheit gibt es zum Schnäppchenpreis – auf der anderen Seite die Anbieter, die mit immer neuen Tricks und Verpackungen uns die zwei Cent – Trillerpfeife als innovatives Instrument origineller Lautmalerei für 4.99 € verkauft.
Kirmeskapitalismus, und wir sind die Gimpel, die gerupft werden.

Vormittägliche Gedanken

DSC01088„Kommst spät. Hast verschlafen“, brüllt der aufgeräumte Theo, als ich die 43 betreten will.
Unterbrich deine Routine. Der Kleinstadt wird es auffallen.
(Nur zur Info: es gibt Theo und es gibt den aufgeräumten Theo. Theo hat schon vor Jahren sein Blut erfolgreich gegen Ouzo ausgetauscht, bei dem aufgeräumten Theo lagen weniger Gyrosreste im Flokati.)
Eine weißhaarige Oma sinniert in tiefstem Ostpreußisch: „Wär ich gewesen friher so dünn, die Leit hätten gefragt: Auschwitz? Heut ist Mode.“
Ein vorbeieilendes Cosplay-Mädchen im kurzen, rosa Rock, weißen Kniestrümpfen und türkisenen Haaren treibt das Läster-Level der Rößler-Rentner auf Schandmaulniveau hoch. Sie sind die Keimzelle aller Trolle und Dummschwätzer.
Keine Ahnung, wieso mir grad jetzt die Geschichte einfällt.
Eine frühe Freundin wohnte mal in dem Dachgeschoß über einer Pommesbude, in der sie auch arbeitete. Gegenüber war eine Metzgerei.
Egal, wie frisch die Bettwäsche, T-Shirts oder Jeans gewaschen waren, allesamt rochen sie immer nach Pommesfett. Und gegenüber in der Metzgerei wurden jeden Dienstag Morgen ein paar Schweine geschlachtet. Ab sechs Uhr in der Früh riß mich das Todesgeschrei der Schweine aus dem postejakularen, romantischen Zweisamkeitsschlummer.
Was das allerdings mit den Rößler-Rentnern zu tun hat, müssen Sie schon selber herausfinden.

narr