Drei Tage Köln

Tünnes und Scheel
                                                             Tünnes und Scheel

Die Liebste ist grad des öfteren in Köln, Fortbildung. Ich hab sie mal begleitet, damit sie abends, nach erfolgreichem Lernen, nicht so alleine im Hotelzimmer sitzt. Tagsüber, während sie büffelte, bin ich dann durch Köln spaziert.
Es ist schon lange her, dass ich in der Domstadt war. Am ersten Tag war ein super Wetter kurz vor Frühlingsanfang. Vormittags wurde es warm und hielt sich bis zum Abend. Es war ein Genuß, bei Sonnenschein durch eine fremde Stadt zu schlendern, Menschen zu schauen und Verpackungen.
„Geh in die Südstadt, da gibt es ein tolles, argentinisches Cafe“, war der Rat einer gemeinsamen Freundn. Das Cafe hab ich zwar nicht gefunden, hab aber auch nicht groß danach gesucht. Vielmehr suchte ich Stühle und Tische, die im Sonnenschein lagen. Es war der erste, warme Sonnentag nach langer, winterlicher Dunkelheit.

DSC00782
Was auffiel, waren die vielen Obdachlosen, die vielen BettlerInnen, die das Kölner Pflaster belegen. Ich finde das nicht schlimm, dass sie in die reichen Städte kommen. Schlimm finde ich, dass wir nicht in der Lage sind, ihnen Obdach und Auskommen zu gewährleisten.

DSC00781
Menschen in Shorts und Blusen, Fransen und Zotteln, zu hauf bevölkerten sie die Innenstadt und die nähere Umgebung. Sonne schlürfen und Kaffee trinken und dabei dem hysterischen Straßenverkehr zuzuschauen, kann bei mir auch schon mal einen ganzen Tag dauern.

DSC00785
Der Rückweg durch die Innenstadt war ein wenig Grusel. Viel zu viele Menschen. Ich mag ja Hamburg, hab dort gewohnt und gearbeitet. Da drängeln die Massen nicht so, werden eher in der Großflächigkeit der Hansestadt verteilt. Köln macht da einen kleineren, provinzielleren Eindruck. Ebenso viele Menschen auf viel weniger Raum. Ständiges Geschiebe und Geschubse.

DSC00786
Abends dann mit der Liebsten noch ein wenig in der näheren Umgebung des Hotels ein Restaurant gesucht und köstlich vietnamesisch gespeist. Am nächsten Abend waren wir in der gleichen Gegend in einem indischen Restaurant, es war auch lecker, aber Chef und Personal strahlten eine unangenehme Arroganz aus, was viele Abzüge in der B-Note bedeutet.

DSC00790
Dieser Tag begann auch schon so daneben. Es war kalt und nebelig. Da ist es in wenigen Städten schön.
Zum Aufwärmen ins Römisch-Germanische-Museum, ausgegrabene, entartete Kunst anschauen. Das war interessant, zumal die Hälte der in Berlin gefundenen Artefakte aus Hagen und Witten stammten. Insgesamt machte mich aber der Besuch auch des restlichen Museums eher melancholisch, traurig. Die Menschheit hat wirklich seit der Steinzeit nicht viel dazugelernt. Modifizierte Stereotypen, die wir auch heute noch benutzen.

DSC00797
Doch sollte es noch einen Höhepunkt geben. Der Kurs der Liebsten hatte eine Dachbesteigung des Doms gebucht, und ich durfte mitkommen.
Dr. Leonie Becks war unsere Führerin und hat ihre Sache sehr gut gemacht. Nochmal merci dafür.

DSC00815DSC00811DSC00816
Danach, wie schon erwähnt, essen bei dem arroganten Inder.
Das Wetter am nächsten Tag war nicht besser. Also ab in die Museen. Zuerst Wallraf, danach Ludwig.
Alte Schinken vs. junges Fleisch.

DSC00835
Leider war es verboten, Aufnahmen von Herrn Polkes Werken zu machen, aber ein klein wenig illegal tut nicht so weh. Außerdem fand ich es in dieser Kombination in der Domstadt doch äußerst spaßig.

IMG_0051IMG_0050

Das Lügenland schlägt vor

crazyHallo Zukunft!
Wie wäre es damit?
Programmierbare Tätowierungen.
Dann bestreicht man einfach die Stelle, an der das Tatoo sein soll,mit einer Flüssigkeit, die durchsetzt mit Nanobots ist. Für Ganzkörpertätowierungen wird ein Bad empfohlen.
Diese Nanobots setzten sich in die unteren Hautschichten und können auf Befehl jede Farbe leuchtend annehmen.
Kein Diktat des ewig währenden Tatoos.
Ein Tatoo, passend zur Tagesform. Leicht bedienbar mit Ihrem Smartphone.
Ich sags ja nur.

Arschloch Krebs

DSC00620In die Lungenklinik zu fahren, um einen guten Bekannten zu besuchen und dann von einer Schwester gesagt bekommen: „Der ist nicht hier. Rufen Sie bitte die Angehörigen an. Ich darf Ihnen da nichts Weiteres zu sagen“, kann einen ganz gut aus der Bahn werfen.
Gestorben an Arschloch Krebs. Nichtraucher, zehn Jahre jünger als ich, zwei Kinder, bis Anfang Dezember fit, quirlig,mit fettem, krähenden Lachen.
Jetzt ist Anfang März, und der Krebs hat ihn gefressen.
„Hab ich kleinen Tumor in Lunge“, sagte er anfangs und drückte auf die unteren, hinteren Rippen. Da war sein Bauch noch kugelig, das Che Guevara Shirt stramm und die Hautfarbe normal.
„Nicht gefährlich. Muß ich Klinik, sagt Arzt. Nach Hemer. Das sind die Besten.“
Die Lungenklinik in Hemer hat einen guten Ruf.
„Alles gut“, sagte er am nächsten Tag. „Muß ich einmal die Woche hin. Ambulante Chemo. Jetzt Mittwoch geht los.“
Am Freitag stand er schon wieder hinter dem Tresen, schimpfte über europäische Politik und die Drecksrechten.
„Schmeckt wie Metall. Aber geht.“
Nach dem dritten Mittwoch war der Bauch weg und die Haut fahlgelb.
„Ist normal, sagen Ärzte. Erste Staffel vorbei. Jetzt Pause, dann nächste Staffel.“
Nach der nächsten Staffel schlabberte die Hose, war das Gesicht hohlwangig und die Stimme leise.
Die letzten beiden Staffeln verbrachte er in der Klinik.
Die Besuche in seinem Cafe wurden sporadisch. Hinter dem Tresen zu stehen, schaffte er nicht mehr.
Ich erschreckte mich, als ich ihn dort traf. Er sah aus aus, wie mein Vater kurz vor seinem Tod.
Im Februar besuchte ich ihn zu Hause. Er saß kalkbleich und nach Luft ringend zusammengesunken vor seinem Inhalator. Reden war kaum mehr möglich. Er weinte, während er eine griechische Nachrichtensendung sah. Die Schlechtigkeit der dort gezeigten Welt war zuviel.
Gestern wurde er beerdigt.

Der Tag, an dem Politessen bewaffnet wurden

DSC00443Der Tag, an dem Politessen bewaffnet und mit umfangreichen Rechten ausgestattet wurden, gilt bei AutofahrerInnen als Tiefpunkt ihrer Dreckschleuderromantik.
Die Auswirkungen waren gravierend.
Konnte man früher Politessen ungestraft auf das Übelste beschimpfen, im Idealfall sogar handgemein werden, mußte der Blechpöbel jetzt einen Schuß in putativer Notwehr, 20000 Volt brrzzzel, mindestens aber hochpotentes Reizgas in die Augen erwarten.
In der ersten Zeit nach diesem Schicksalstag spielten sich ungeheure Dramen auf den Parkplätzen in den Städten unserer Republik ab.
Fastblinde PS-Randalierer rannten tränenschwer auf die Straßen und wurden von dem kollegialen Blechpöbel grinsend über den Haufen gefahren.
Knöllchen-ins-Maul-StopferInnen rollten zucken wie ein Elektroballet über den Gehweg.
Angeschossene FahrzeugführerInnen stapelten sich zu Hauf in den Parkbuchten, und Rettungswagen stellten ihr Blaulicht erst gar nicht ab.
Wollte das Pöbeln, Drohen und Beleidigen gar kein Ende nehmen, konnten die Politessen zum letzen Mittel greifen und die mobile Schrottpresse rufen.
Dann wurde vor den Augen der Betroffenen ihr Heiligtum in einen handlichen 1.50 m³ Würfel gepresst und am Rand der Stadt für Kunstobjekte weiterverarbeitet.
Seither ist es ein wenig friedlicher geworden in den Innenstädten.
narr