Neue Arme?

Hafen Hüingsen oder Spuren eines sauerländischen Tsunamis.
Hafen Hüingsen oder Spuren eines sauerländischen Tsunamis.

Einige werden sich erinnern.
Irgendwann letzten Jahres riß ich das alte Garagendach ab und ersetzte es durch ein neues.
Die alten Balken, Heraklit, Rigips, Glaswolle, Dachpappe, alles ziemlich angerottet, lag im Garten und wartete auf Abholung.
Am Freitag bekam ich von der weltbesten Flöry ihren orangenen Pritschenbulli geliehen. Der passt so gerade durch die Einfahrt.
Seitdem schleppe ich und fahre alles nach Hüingsen. Na ja. Mit dem Fahren ist das so eine Sache. Ist halt ein alter Bulli.
Drei Tonnen aufladen, drei Tonnen abladen.
Hat jemand neue Arme für mich und eventuell ein neues Kreuz?
Aua.

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Waltons²

DSC00524Welch ein Spaß, wenn ein macho-macho-italo-Nachbar ein ganz kleines, kaum wahrnehmbares Morgengrußnicken herauspresst.
Mich nicht zu grüßen, wäre sehr unhöflich, da ich in der italienisch-griechischen Männerrunde der Oberstadt irgendwie doch angenommen wurde.
Also geschieht neuerdings das Grüßen, wenn auch klein und mit zusammengebissenen Zähnen.
Natürlich grüße ich zurück.
Es gibt nur wenige Menschen, die ich nicht grüße.
Den Ekelpapst, den grüße ich nicht. Das ist fast wie ein Duell, wenn unsere Wege sich kreuzen. Wir schauen uns an. Nickungslos. Wer zuckt, verliert.
Von den Rößler-Rentnern grüße ich auch nur einen, mir bekannten, ehemaligen Getränkegroßhändler. Der Rest ist mir einfach zu blöd.
Einen gibt es noch, den grüße ich nicht und weiß gar nicht, warum nicht.
Er wohnt direkt gegenüber. Seit fünfzig Jahren. Wir sehen uns fast täglich und achten beide darauf, uns nicht in die Augen zu schauen. Nähme ich es genau, wäre dieser Nichtgruß, einer schaut nach links, einer nach rechts, auch ein Gruß. Irgendwie.
Ich kenne Menschen, denen diese Grüßerei in Kleinstädten ganz schrecklich auf die Nerven geht. Es ist ja auch absurd. Mit fast allen Menschen, die mich grüßen, hab ich noch nie mehr als drei Worte gewechselt.
Waltons² könnte man sagen, auch wenn es nur die Wahrung der Form an der Oberfläche ist.
Seit Kurzem trage ich an kalten Tagen eine neue Mütze. Erich nennen mich Freunde und Bekannte seither, weil diese Kappe stark an Erich Mielke, den ehemaligen Stasi-Chef erinnert.
Interessant ist, dass mich die nichtbekannten Grüßer in der Innenstadt jetzt einfach übersehen. Sie erkennen mich nicht mehr. So gehe ich inkognito und grußlos durch die Zone und finde es auch ganz wunderbar.
Gute Nacht, Johnboy.

Generation Weichspüler

DSC00284Fieser Nieselschnee verdichtet die Stimmung zu einem dunklen Klumpen Erdpech.
Die wetternasse Kleidung der frierenden Bevölkerung verbreitet einen konzentrierten Weichspülergeruch.
Manchmal hab ich die Vermutung, Menschen tränken Lenor vor der Waschmaschine.
Nicht Generation Weichei. Generation Weichspüler.
Völlig scham – und zweifelsfrei verbreiten sie ihren riechenden Chemiedrink und fragen sich, warum ihre angefixten Kinder Spice rauchen. Hauptsache Chemie.
Papa ruft derweil in der Autowerbung: „Nach rechts! Nach rechts! Gut gemacht, Großer“. Und ich Dummerchen wundere mich, wieso rechts draußen immer salonfähiger wird.
Andere kommen mit sieben kleinen Plastiktüten, eine für zwei Äpfel, eine für fünf Tomaten, eine für drei Bananen, eine für eine Kohlrabi, eine für einen Brokkoli, eine für zwei Zwiebeln, eine für eine Paprika, packen alles in zwei große Plastiktüten, beklagen sich dann über die Verschmutzung der Meere und seufzen: „Aber so ist das. Da kann man nichts machen.“
Zu schweigen im Gedröhn der plappernden Mehrheit bedeutet nicht, aufzugeben.
Aber es bedeutet auch nicht, jeden Scheiß mitzumachen.