echt Mist

echt Mist

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Weihnachtswerkschor Auersweg

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Kaum zu glauben, aber ich war, mit meiner Liebsten, auf einem Weihnachtskonzert. Zwar auf einem Speziellen, aber immerhin weihnachtlich.

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Die lutheranische Friedenstaube in der neureformierten Kirche in Iserlohns Fußgängerzone erstrahlte in stimmungsvollen Farben – übrigens ein wirklich schöner Ort für kleine Veranstaltungen – es war nicht kalt und die Stimmung vom Feinsten.

Natürlich durften die Blockflöten nicht fehlen, auch wenn man sie besser vorher aufeinander abgestimmt hätte. Doch. Es war ein schöner Abend. Selbst für einen Grinch wie mich.

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Wir sehen uns wieder, Werkschor. Bis dahin schöne Feiertage.

Live

Von links nach rechts Ansgar Schwarzkopf,  Janine Bauer, Stefan Neuhaus, Peter P. Neuhaus
Von links nach rechts Ansgar Schwarzkopf, Janine Bauer, Stefan Neuhaus, Peter P. Neuhaus, nicht zu sehen, weil Foto machen, Wolfgang Weist.

Letzte Absprachen vor dem heutigen Abend. Sa, 20.12. 2014

Nix Genaues weiß man nicht, aber irgendwie wird der PresseKlub schon laufen.

Also kommt zahlreich, Beginn 20.30 Uhr, Einlaß 19.30 Uhr

Stell zu! Stell zu! Stell zu!

DSC00189„Stell zu! Stell zu! Stell zu!“
Kryptisches Gebrülle in der Lindenschänke. Es ist Weihnachtsfeierwochenende in Deutschland. Die Gastronomen reiben sich die Hände. Bier – und Schnapsströme, frittierte Kartoffelberge und Fleisch.
„Stell zu! Stell zu! Stell zu!“
Die Wirtschaft ist so vollgepackt, dass die Servicekräfte Schwierigkeiten haben, an die Tische zu gelangen. Die Unterhaltungen der Gäste funktionieren nur lautstark, weswegen der allgemeine Geräuschpegel gut oberhalb der Schmerzgrenze liegt.
„Stell zu! Stell zu! Stell zu!“
Auf die Tische der Stellzu-Brüller tragen die Servicekräfte vier Schüsseln aus Metallgeflecht in der Größe von Woks, befüllt und aufgehäuft mit Gegrilltem. Grob geschätzt sechzig Kilogramm Fleisch.
„Wir bedanken uns bei der Bedienung mit einem dreifachen Stell zu! Stell zu! Stell zu!“
Charles Bukowski hätte seine Freude. Zwischen Schmatzern und Schlürfern, unterbrochen von Gruppenwanderungen der RaucherInnen, die sich mit niedrigem Nikotinlevel zitternd ihren Weg nach draußen bahnen, wird langsam klar, dass es sich um eine Feier von PostzustellerInnen handelt.
„Stell zu! Stell zu! Stell zu!“
Wir haben keinen so berufsbezogenen Trinkspruch. Wir essen, trinken und bedauern, keine Ohrschützer, sogenannte Micky-Mäuse, dabei zu haben. Würde die Berufsgenossenschaft hier die Lärmemission messen, wir müssten Strafe wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen zahlen.
So helfen , nach Verlassen des gastronomischen Kleinods, gegen den Lärmschmerz zwischen den Ohren nur zwei Aspirin und die Hoffnung auf eine stille Nacht.

Mr. Lollipop

Spätestens mit dem Beginn des „Snowman„von Raymond Briggs weiß jede Katastrophe und jedes Kind in der Stadt, dass das Jahr bald vorbei und Weihnachten die kurze Episode davor sein wird.

DSC00153Dass ich kein Weihnachtsfreund bin, dürfte allgemein bekannt sein. Um so erstaunlicher, dass es fast kein Jahr gab, in dem ich den Snowman nicht sah.
Das Theater riecht dann nach Nelken und Orangen, was an dem englischen Weihnachtsöl liegt, welches der Hauptakteur vor jeder Veranstaltung im Theater und auf den Toiletten versprüht. Überall stehen Schneemänner, selbst vor dem Theater bläht sich ein neues Plastikmodell (mit Innenbeleuchtung) auf. Weihnachtskarten, stimmungsvolle Gehängsel von der britischen Insel, gedämpftes Licht, heimelig-warme Heizkörper und Kinder.

Zuerst nur die Kinder, die von ihren Eltern eine dreiviertel Stunde zu früh abgegeben werden.

Kein junges Kindlein in der Stadt, dass nicht ein Snowman - Trauma hat.
Kein junges Kindlein in der Stadt, dass nicht ein Snowman – Trauma hat.

Wirklich spannend, diese Eltern, die noch nie im Theater waren, kurz, das Kind an den Schultern haltend, den Kopf hereinstecken, Witterung aufnehmen, checken, ob das wohl der richtige Ort sei, und mit dem selbstbestätigenden Nicken, alles gut, ihr Kind hereinschieben, um auf dem Absatz kehrt zumachen und zu verschwinden.
Der Brite fängt sie auf, die Frühchen, zeigt ihnen die Plätze, bittet sie, die Mäntel auszuziehen, macht Späße. Alles auf englisch. Dann der erste, der zweite, der dritte Schwung, die Schulklassen sind anwesend und jetzt auch die LehrerInnen.
Die erste Vorstellung, 8.45 Uhr, kann beginnen.
Es ist ja eigentlich die 235 Vorstellung. Rechnet man pro Vorstellung durchschnittlich 70 Personen, hauptsächlich Kinder, sind es bis jetzt 16450 Lollipops, die der Brite unter das Publikumsvolk gebracht hat.
Ich mag die Veranstaltungen. Eigenes Ambiente, eigener Charme, eigener Geruch. Und wenn ein Smartphonekind in der ersten Reihe noch erstaunt fragt:“Huch! Wie hat er das denn gemacht“, weil Herr Smith mit den Fingern schnippste und die Weihnachtsbaumbeleuchtung ansprang, hat es sich schon fast gelohnt.
An einer Stelle kichern immer die Lehrerinnen, die dem Text folgen und ihn auch verstehen. Wenn er die Schneekugeln rollt, die Mädchen herauskommen, mit ihm spielen wollen und er davonäuft. Ganz leise kichern sie da.

Leise kichern die Lehrerinnen
Leise kichern die Lehrerinnen

Natürlich verstehen die Kinder nicht jedes Wort. Das geht den Erwachsenen ähnlich. Das ist auch nicht nötig. Alle verstehen die Geschichte. Was aber wichtiger ist: alle spüren die lustvolle Ernsthaftigkeit, mit der der Herr Smith die Geschichte erzählt. Mr. Lollipop verstäubt Magie. Routiniertes Handeln und Spaß an der Ausführung.
Da schau ich doch gerne.
Nur ein Wermutstropfen trübt den runden Genuss. Es gab die Zeit, da wurden die gezeichneten Bilder von Herrn Briggs (wobei ich gar nicht weiß, ob er auch die Bilder gemalt hat) mittels eines Dia-Projektors auf eine Leinwand geworfen. Heute macht das ein Beamer ganz großartig sanft mit fließenden Übergängen und geräuschfrei.
Der Dia-Projektor machte scritsch-scrätsch und jede Person im Publikum wusste, jetzt kommt ein neues Bild. Die Aufmerksamkeit sprang, dank akustischer Unterstützung, ruckartiger zwischen Erzähler und Leinwand hin und her. Das war stimmungsverdichtend, wenn mehrere Bilder hintereinander erscheinen mussten. Ursprünglich Hilfsmittel, irgendwann theatralisches Beiwerk, Illusion des Familiären.
Aber auch ohne scritsch-scrätsch ist es jedesmal ein Spaß.
Merci, Mr. Lollipop

Lehrerin

DSC00135„Ich würde mich schon gerne neben Sie hinsetzen“, haucht eine alte Dame am Rollator. Sie bildet die Worte fast lautlos mit ihren Lippen. Dabei rollt sie die Augen und nickt mit dem Kopf in Richtung einer jüngeren Frau.
„Setzten Sie sich. Der Kaffee geht auf mich.“
Langsam kommt sie näher. Die jüngere Frau redet mit der Verkäuferin, ist abgelenkt und ein spitzbübisches Lächeln erscheint auf dem Gesicht der Dame, während sie sich neben mich setzt.
„Sie ist die Strafe für meine Verfehlungen im Leben“, raunt sie. „Dafür, dass ich meine beiden, verstorbenen Ehemänner betrogen habe. Sie waren gute Männer, aber sexuell sehr langweilig. Und wenn ich in der Abschiebehaft einen Mann nur anlächle, kommt die und schimpft mit mir.“
„Abschiebehaft“, frage ich erstaunt.
„Sie sagen Seniorenheim dazu. Aber erstens sind fast nur Seniorinnen da, und Heim“, sie schaut mich an, „kennen Sie den Ursprung des Wortes ‚Heim‘? Kommt von Heimat, heimelig, daheim. Aber das da“, sie nickt in Richtung des Altenzentrums, „ist eher unheimlig.“
Dann lacht sie.
„Letzte Woche hab ich einen Blick ins Stationsbuch geworfen. So aus Neugierde. Entweder sind die Pflegehelferinnen alle Legasthenikerinnen oder so…“ Sie seufzt tief. “ Unbedarft. Ich tippe auf Letzteres. Also hab ich meinen Stift gezückt, die Fehler angestrichen und ein ‚Ungenügend‘ daruntergesetzt.“
„Sie sind Lehrerin?“
„Deutsch und Geschichte. Sekundarstufe II. Und die korrekte Form heisst: ‚Sie waren Lehrerin'“.
„Och. Ich glaube, Sie sind es noch.“
„Stimmt. Ich kann wohl nicht anders. Ich muß wieder los. Sie hat ihren Zeitplan.“
Wie auf Kommando kommt die jüngere Frau, hilft ihr beim Aufstehen, lächelt mich an und bringt die alte Dame behutsam vor die Tür.