Olle Kamellen (aber Lieblingstexte)

Advertisements

Der Geist der Mücke

Die letzte Mücke zieht kraftlos ihre Kreise.

Herr Peter P. meint, mit Blick in mein Notizbuch, das könne nicht sein. Die Letzte habe er gestern erschlagen.
Also noch einmal:

Der Geist der letzten Mücke zieht kraftlos seine Kreise,
auch Frau Fruchtflieg hat sich schon zusammengerollt.
Die Herbstgewitter singen kraftvoll ihre Weise,
während Tod, der alte Schnitter, zufrieden seine Menschen trollt.
Da hilft kein Pumpen in der Muckibude, keine sauren Vitamine.
Der Tod trollt alle. Ausnahmslos.
Den Geist der Mücke, mich und auch Herrn Peter P.
reißt er aus des Lebens Schiene wann er will.

Sag bloß. Komm, lass uns tanzen und dann geh.

Wer braucht schon Haiti?

you do like voodoo
you do like voodoo

Die Rößler-Rentner exerzieren die Wochentage und belegen jeden erinnerten oder zufällig darüber gestolperten Tag mit einer Wetterprognose.
Zwischendurch hohes, schmerzhaftes Lachen der ehemaligen Kirmesbuden – und Markstandplatzverteilerin, wenn die solventen Senioren über Donnerstage mit Regenwarnung stolpern.
Dieses Lachen benutzte sie früher als Zeichen der völligen Ablehnung bei Anträgen oder manchmal flehentlichen Bitten für einen anderen Standort.
Dabei verbrannte sie mindestens drei Zigaretten in Folge zwischen ihren Fingern mit papierdünner, gelber Haut und Strukturen, die durch die Nikotinpatina klarlinig hervorgehoben wurden.
Vodoo des Ordnungsamtes. Bilder, wie sie Schnaps feintropfig mit dem Mund versprüht, die Knochenkettchen rasseln und sie Trancespuren im Mehl ertanzt, während die alten Männer des Rößler-Kraals im Hintergrund klatschen und Wochentage brabbeln, um ihre Hohepriesterin zu stärken.
Wer braucht schon Haiti?

Wandel

Gedanken im Chaos
Gedanken im Chaos

Es ist doch alles im stetigen Wandel.
Nur die blöden HJ-Frisuren scheinen von Dauer.
Die graue, warme Feuchtraumluft schließt leicht Synapsen kurz.
Die Plüschschimpansentänzerin grüßt mich zackig, und sofort hab ich diese Melodie von Coco und dem hassenichtgesehen-Affen im Ohr.
„Dienstag ist Leberkäse- und Frikadellentag“, sagt eine Fleischverkäuferin. „Jeden Dienstag.“
Noch eine Konstante im stetigen Wandel.
Heute allerdings ist nicht Mettwoch. Heute ist Tag der Vegetarier. Die Liebste meint: „Ok. Essen wir halt Vegetarier.“
Die türkischen Jungfriseure sitzen in der Sonne, trinken Tee und spucken auf die Erde. Ein schwerer Hauch von Duftwasser, Haarspray und Brillantine legt sich über das rottige Holz des ehemaligen Garagendaches.
Dummheit, fällt mir ein, ist auch eine Konstante im stetigen Wandel.
Wir könnten schon ein gutes Stück weiter sein, lernten die Dummen, besser zuzuhören und die Klugen, weniger plappernd zu bevormunden.