Arschkarte

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Kurz vor acht klingelt ein Spielkamerad früherer Jugend, jetzt Fahrer eines Baustoffgroßhandels.

„Arschkarte“, sagt er und zeigt auf ein parkendes Auto. „Oder weißt du, wem das gehört?“
Ich verneine bedauernd. er furcht die Stirn.
„Ich muß dir alles an den Straßenrand stellen. So komme ich mit dem Kran nicht in die Einfahrt.“
Dieses mal nicke ich bedauernd. Er lädt alles ab, ich unterschreibe den Lieferschein und nach einer Viertelstunde ist er wieder verschwunden. Die ersten Gäste des italienischen Cafes mit griechischem Wirt schauen neugierig in meine rottige Garage.
„Mußt du machen.“
„So nicht gut.“
„Alles kaputt. Machen neu jetzt?“
Die alte Griechen mit grauem Günther-Grass-Schnäuzbart, Zigarette und Espressi stehen mit verschränkten Armen vor meiner Lieferung von fünfzehn 4m-Balken, 50m² OSB, Dachpappe, Folie und Bitumen.
Ich wuchte mir einen zehner Balken auf die Schulter und schleppe ihn in die Garage.
„Machen allein?“
Ich nicke mit zusammengebissenen Zähnen. Der Balken tropft und ist schwer wie Hulle.
„Brauchen Hilfe“, fragen zwei von ihnen, jetzt mit einer Hand in der Hosentasche, die andere an Zigarette und Espresso. Ohne die Antwort abzuwarten, setzen sie sich auf die Stühle vor dem Cafe, strecken die Beine und ächzen dabei solidarisch den Altherrenächzer.
Eine Oma mit Hut will unbedingt die Erste in der gegenüberliegenden Apotheke sein. Sie fährt schwungvoll auf den Parkstreifen, touchiert fast die Balken, hebt bei Aussteigen den rechten Fuß mit der Krücke vom Gas und grinst mich rotwangig an. Dass sie den Transportweg des Holzes blockiert, scheint ihr entweder nicht bewu0t oder völlig bolle zu sein.
Neunzig Minuten und zwei Muskelkrämpfe später ist alles an Ort und Stelle.
Kurz gefrühstückt, weiter im Takt.
Beim Abreißen der Dachpappe denke ich an Vergangenes. Früher war der hintere Teil der Garage ein Birnbaum mit Birnen, dick wie Kokosnüsse, knackig und saftig und lecker und überhaupt. Wegen ihm mußt ich immer auf das Dach, die Rinne von seinen Blättern befreien. Einmal bin ich auf so einem Blatt ausgerutscht, vom Dach gefallen, mit den Füßen in der Rinne hängengeblieben und mit dem Gesicht voll gegen die Wand. Das war nicht lustig, denke ich, während ich an Pappe und Folie reiße. Da alles etwas feucht ist, rutsche ich ab, und der Schwung haut mich ein zweites Mal vom Dach. Im Fallen sehe ich den Lenker des Rollers, die Spitze der Wäschespinne, dreh mich noch weg und lande langgestreckt auf der saftigen Wiese. Geschichte wiederholt sich.
Als das erste Drittel des Daches komplett abgerissen ist und ich gerade mit den neuen Balken anfangen will öffnet sich der Himmel und sagt weise: Mach mal Pause.
Okay.

narr

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