Sicherheitshonks

P1000355Globalisierung ist auch, wenn Guantanamo im Sauerland liegt.
Mich wundert es nicht, dass die verantwortlichen Politiker so tun, als seien sie entsetzt über das verrohte Gebaren der privaten Sicherheitskräfte.
Das ist für ihre politische Karriere besser, als wenn sie sagten: „Doch. Das haben wir erwartet. Aber wir nehmen das in Kauf.“
Und dass es zu erwarten war, ist keine Frage.
Private Sicherheitskräfte sind die Honks, die es nicht auf die Polizeischule geschafft haben. Sei es durch mangelnde Intelligenz, sei es wegen der Fehlstellung einiger Charakterzüge, die während der psychologischen Begutachtung an die Oberfläche gezerrt wurden.
Steck diese Rotte in Uniformen, gib ihnen etwas Macht und die Aufgabe, auf Menschen aufzupassen; die Eskalation ist vorprogrammiert.
Ein Sicherheitshonk versteht nichts von Flüchtlingstraumata.
Ein Sicherheitshonk ist froh, wenn er die Schnürsenkel seiner Sicherheitsschuhe richtig bindet.
Sicherheitshonk und Empathie sind zwei möglichst weit voneinander entfernte Punkte auf der Skala des menschlichen Daseins.
Für Regierungshansel kommt das ganz gelegen. Was für ein schlagendes Argument, Flüchtlinge nicht aufzunehmen.
„Wir haben doch kein ausgebildetes Sicherheitspersonal.“
Nein, ihr Regierungshansel. Flüchtlinge brauchen kein Sicherheitspersonal. Sie brauchen Unterstützung, Zuspruch, Hilfe, warmherzige Menschlichkeit. Und Sicherheitshonks, die ansonsten Parkplätze, Häuser oder Kirmesbuden bei Nacht bewachen, schon gar nicht.

ps: Der Begriff „Honk“ ist das Überbleibsel eines Namens aus den Siebzigern des letzten Jahrhunderts. Da gab es einen Fritz Honka. Serienmörder.

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E kaufen?

E kaufen?
E kaufen?

Nach viermaligem Naßwerden in drei Stunden, macht Garagendach weiterbauen keinen Spaß mehr.
Der Regen fällt im rechten Winkel. Das sieht man nicht alle Tage.
Man sieht auch nicht oft, und wenn, dann bestimmt nur in Menden, dass vor einem Hauseingang in der Pastoratstraße ein Mensch das Pflaster flitscht, dann, immer noch bei Regen, die Fenster von außen putzt, wieder das Pflaster flitscht, um dann vier-fünf Eimer Wasser, während es heftig pladdert, gegen das Fenster zu schütten, um erneut das Pflaster zu flitschen. (eine gute, logopädische Übung. Dreimal hintereinander: Pflaster flitschen)
Shine on, you crazy diamond.
Der Körper mag sich nicht entscheiden zwischen Muskelkater vom Balken wuchten oder Muskelschmerzen wegen Erkältungswelle.
Wie besorgniserregend meine geistige Verfassung ist, erkennt man daran, dass ich schon den ganzen Tag WDR 4 höre. Grad läuft YMCA. uff. Aber der Weg von der Coutch zum Radio ist so weit.
Vor meinem Fenster fragt grad wer wen: „Willste E kaufen?“
Das sind so Tage.

Arschkarte

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Kurz vor acht klingelt ein Spielkamerad früherer Jugend, jetzt Fahrer eines Baustoffgroßhandels.

„Arschkarte“, sagt er und zeigt auf ein parkendes Auto. „Oder weißt du, wem das gehört?“
Ich verneine bedauernd. er furcht die Stirn.
„Ich muß dir alles an den Straßenrand stellen. So komme ich mit dem Kran nicht in die Einfahrt.“
Dieses mal nicke ich bedauernd. Er lädt alles ab, ich unterschreibe den Lieferschein und nach einer Viertelstunde ist er wieder verschwunden. Die ersten Gäste des italienischen Cafes mit griechischem Wirt schauen neugierig in meine rottige Garage.
„Mußt du machen.“
„So nicht gut.“
„Alles kaputt. Machen neu jetzt?“
Die alte Griechen mit grauem Günther-Grass-Schnäuzbart, Zigarette und Espressi stehen mit verschränkten Armen vor meiner Lieferung von fünfzehn 4m-Balken, 50m² OSB, Dachpappe, Folie und Bitumen.
Ich wuchte mir einen zehner Balken auf die Schulter und schleppe ihn in die Garage.
„Machen allein?“
Ich nicke mit zusammengebissenen Zähnen. Der Balken tropft und ist schwer wie Hulle.
„Brauchen Hilfe“, fragen zwei von ihnen, jetzt mit einer Hand in der Hosentasche, die andere an Zigarette und Espresso. Ohne die Antwort abzuwarten, setzen sie sich auf die Stühle vor dem Cafe, strecken die Beine und ächzen dabei solidarisch den Altherrenächzer.
Eine Oma mit Hut will unbedingt die Erste in der gegenüberliegenden Apotheke sein. Sie fährt schwungvoll auf den Parkstreifen, touchiert fast die Balken, hebt bei Aussteigen den rechten Fuß mit der Krücke vom Gas und grinst mich rotwangig an. Dass sie den Transportweg des Holzes blockiert, scheint ihr entweder nicht bewu0t oder völlig bolle zu sein.
Neunzig Minuten und zwei Muskelkrämpfe später ist alles an Ort und Stelle.
Kurz gefrühstückt, weiter im Takt.
Beim Abreißen der Dachpappe denke ich an Vergangenes. Früher war der hintere Teil der Garage ein Birnbaum mit Birnen, dick wie Kokosnüsse, knackig und saftig und lecker und überhaupt. Wegen ihm mußt ich immer auf das Dach, die Rinne von seinen Blättern befreien. Einmal bin ich auf so einem Blatt ausgerutscht, vom Dach gefallen, mit den Füßen in der Rinne hängengeblieben und mit dem Gesicht voll gegen die Wand. Das war nicht lustig, denke ich, während ich an Pappe und Folie reiße. Da alles etwas feucht ist, rutsche ich ab, und der Schwung haut mich ein zweites Mal vom Dach. Im Fallen sehe ich den Lenker des Rollers, die Spitze der Wäschespinne, dreh mich noch weg und lande langgestreckt auf der saftigen Wiese. Geschichte wiederholt sich.
Als das erste Drittel des Daches komplett abgerissen ist und ich gerade mit den neuen Balken anfangen will öffnet sich der Himmel und sagt weise: Mach mal Pause.
Okay.

narr

Venceremos

Venceremos
Venceremos

Wie wird es sein in fünfundzwanzig Jahren?
Wer wird mein Betreuer sein?
Werde ich überhaupt einen haben?
Oder werden die letzten, revolutionären Zellen dieser Stadt von einer Sammelbetreuerin versorgt?
Dann sitzen wir in der Sonne, die Tablettendöschen auf dem Tisch, die Sauerstoffflasche am Roller befestigt, den Urinbeutel in der rechte Socke steckend und verteilen, wenn die Betreuerin grad wegschaut, die bunten Pillen untereinander neu.
Wir werden zitternd die gichtige Hand zur linken Faust ballen und erheben, und für den alten, portugiesischen Kellner wird das dass Zeichen für fünf weitere koffeeinfreie Cappuccini, Esspressi oder Lattes sein.
Die Rinne wird tröpfeln wie eine Harnröhre mit vergrößerter Prostata.
Der Stadtanzeiger wird vor dem Vincenzaltenheim auf der Mauer und auf der Lauer sitzen, jugendlichen Jungs und Mädels einen greisenleichten Schlag in den Nacken geben, weil sie Fahrrad fahren oder einfach nur jung sind.
Das, was in der Vergangenheit als Altenheim gedacht war, an der Kolpingstraße, neben Bichmann, wird der Abenteuerspielplatz der verbleibenden Jugend sein.
Das „Salsa“, „Coyote Ugly“, „da Rosa“ inclusive der angrenzenden Häuserreihen werden das Altenzentrum der Stadt werden (mit Glasdach), und fast alle Geschäfte der Stadt bieten Erwachsenenwindeln, prothetisches Zubehör, japanische Überwachungsseehunde und rumänische Haushaltshilfen an.
Die CDU regiert von ihren internetfähigen Krankenbetten aus. Im Ratsaal sind auf den leeren Stühlen Monitore befestigt, das jüngste, anwesende und fast lebhafte Ratsmitglied ist siebenundachtzig Jahre alt, erscheint eisern und persönlich mit seinem Bambusrollator, ebenfalls mit Internetanschluß, und stellt Anträge, dass die liegenden, fast toten Herren der anderen Parteien vielleicht noch eine Spur blasser werden.
Wir werden vergessen haben, dass Maria Kahle ´ne Nazibraut allererster Güte war (und hoffentlich auch nicht mehr durch Straßenschilder daran erinnert).
Venceremos.

nicht untypischer Vormittag

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Ich arbeite nicht, um zu leben. Ich erarbeite mir, mehr zu erleben.

Wieder einmal hat die Natur es gewagt, ein paar vertrocknete Blätter auf Nachbars Rasen zu verteilen. Schon wird die Laubbläser-Kavallerie gerufen, damit sie zum Angriff blase.
Jährliches Ritual, jährlicher Geringaufreger, oft erlebt und trotzdem nervig.

Ein Fokuhila-Pornoschnäutzer geht in der Stadt spazieren.
Zeigt locker seine Lockenpracht und tut sich nicht genieren,
seinen Schnauzbart, schwarz und suppig,
mit Brillantine zu gelieren.
Eine Frau im Kleid, leicht adipös, tritt voll in Hundekot.
Sie hebt den Fuß zur Reinigung.
Im vollbesetzten Eiscafe werden so manche Köpfe rot
bei dem, was sie gesehn.
Sie hat gar keinen Schlüpfer an.
Wie kann denn so was gehn.

narr

sind die eigentlich alle bekloppt?
sind die eigentlich alle bekloppt?

Grad treffe ich den Baumschubser in der Stadt und der erzählt, er habe von der Stadt eine Anfrage bekommen.

Der Architekt des Rinnsals möchte gerne eine freie Sicht der Achse Bahnhof – Vincenz und deswegen sollen alle Linden, ein-zwei Kastanien und die eine oder andere Platane auf der Bahnhofstraße verschwinden.

Ab wann wird Architektenwürgen strafbar`?