gerettet

Keine Panik
Keine Panik

Kinder sollten lernen, dass Strafpredigten für ihre alten Eltern nicht nur sinnlos sind, sondern für ein großes Unverständnis des Alterns im allgemeinen spricht.
Ich persönlich glaube ja, nach diesen Knochenfunden unter ander Leuts Särgen und den vergifteten Hunden, dass wieder ein Serientäter in der Stadt lebt.
Knochensammler.
„Du willst doch nur, dass Frau Jolie kommt und den Fall übernimmt.“
Eine Horde von neun Kindern läßt mich nicht komplett an der Menschheit zweifeln. Alle stammen offensichtlich aus einem Genstrang und ihre Umgehensweise untereinander wirkt ausgesprochen fürsorglich. Die drei älteren Kinder, ca. 14, 13, 12, passen auf die restlichen sechs zwischen 3 und 8 auf. Es wirkt ein bischen wie Bullerbü oder diese „der Hahn legt keine Eier“ Serie. Danke. Ihr habt mir ein wenig den Tag gerettet.

narr

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Der Stein, der ein Boot sein wollte

Der Stein, der ein Boot sein wollte.
Der Stein, der ein Boot sein wollte.

„Das macht man aber schon lange nicht mehr so. Aber wenn Sie es so haben möchten, kein Problem.“
Die blutwarme Schwere des feuchtschwülen Tages, unterbrochen von fröhlich-unbeschwertem, fetten Regen dominiert Entscheidungsfindungen.
Kaum hab ich mich entschieden, donnert es. Feuchte Stacheln hat heut die Welt. Die Rüstung ist grad in Reparatur.
Melancholie ist ein Stein, der ein Boot sein wollte.
Es blitzt und donnert. Die Welt schaut so erschreckt, wie ich es vor zwei Stunden war, als der Verlag anrief und meinte, die Seitenzahl sei nicht korrekt.
Jetzt ist vielleicht alles gut. Vielleicht.

 

narr

Vitruvius

„Der sitzt und lässt sie draußen rumturnen“, sagt ein dicker, älterer Mann, der eine Frau mit Krücken beim Einsteigen ins Auto beobachtet.
„Der is aus Unna“, sagt seine dicke, ältere Frau verächtlich.

Ganz klar.
Aliens aus der Vitruvius-Sphäre.
Das Lügenland ist vor einiger Zeit unvermutet auf einem sauerländer Abrißdachboden Fragmenten eines alten Dokumentes begegnet. Sie hatten sich hinter einem Bilderrahmen versteckt und dienten einer Mausfamilie als Höhlenaußenwand.

Zeichnung unbekannter Herkunft, gefunden in Amecke auf einem Dachboden
Zeichnung unbekannter Herkunft, gefunden in Amecke auf einem Dachboden

Noch sind nicht alle Fragmente zusammengefügt, aber es hat den Anschein, dass zu der Zeit, als das Sauerland noch spärlich besiedelt war, die Vitruvius-Sphäre, auch Fachwerksphäre genannt, quasi ein Raumschiff aus Fachwerk gebaut, in der Gegend von Winterberg landete und sich die Besatzung dort niederließ.
Diese Crew, fünfzehn weibliche und fünfzehn männliche Aliens ist der Genpool, aus dem die heutige Bevölkerung abstammt.
Sie waren und sind für den Bereich Sauerland zuständig und liefern immer noch einmal im Jahr ihren Bericht über den Zustand der Welt im Allgemeinen und im Speziellen des Sauerlandes in ihr Universum.
Meistens besteht der Text nur aus wenigen Zeichen: „Muß, wo.“
Vielleicht ist das auch der Grund für die hinter-der-Ruhr-Phobie. Sie sind nur für MK und HSK verantwortlich.

narr

 

irgendwie

Wüstengarten mit Dingens
Wüstengarten mit Dingens

„Na ja, irgendwie, ne.“
Das wäre die richtige Antwort auf all die Fragen der letzten Wochen.
Irgendwie ist alles grad irgendwie.
Irgendwie glauben alle Deutschen grad, Weltmeister zu sein, und irgendwie ist das kein gutes Gefühl.
Außerdem ist es grad irgendwie heiß, aber das kriegen wir auch irgendwie in den Griff.

 

Rathausspielplatz mit Wasser
Rathausspielplatz mit Wasser

„Ja, normal läuft hier kein Wasser. Aber wir haben irgendwie unsere Deutschlandfahne um den Druckknopf gewickelt. Jetzt läuft es permanent.“
In Israel ist grad wieder Krieg. Die kriegen das irgendwie nicht hin. Die Hamas ist aber auch dämlich. Kann sich doch an zwei Fingern abzählen, dass die eigenen Leute wie die Fliegen sterben werden. Die brauchen echt mal einen intelligenten Kopf.
In der Ukraine ist auch Krieg. Das ist mal richtig neben der Spur und sowas von old fashioned argumentiert. Pulin oder Statin, egal, wie man ihn nennt, ist irgendwie ein Diktator.
Ach menno, Leute. Es ist Sommer. Knöpft Eure Hemden auf, genießt die Wärme, haltet die Klappe und vertragt Euch.
Wir haben alle nur dieses eine Leben.
Und das zu bekriegen ist völlig bescheuert.

narr

Riestern

P1010170

Wird Zeit.
Raus aus dem Loch heißt auch rein ins Loch.
Brummelnde Zickigkeit kann man nicht lange mit Wetterfühligkeit begründen.
Ein guter Weg zur Stimmungsänderung (abgesehen von der Nutzung des Loches) ist es, die Treppe zum Loch von Kornblumen, Löwenzahn, Distel und Gras zu befreien.
Ablenkung. Die Psyche braucht Ablenkung.
Schön war letzten Sonntag ein Konzert in Münster. Der Uni – und Madrigalchor sangen zusammen englische Popsongs aus dem 17ten Jahrhundert.

Chor mit Ohr
Chor mit Ohr

Die Liebste sang natürlich wieder mit, und endlich konnte ich den Dirigenten und Leiter der Chöre, Herrn Haspel

Dirigent Ullrich Haspel
Dirigent Ullrich Haspel

, mal aus der Nähe bei seiner Arbeit beobachten.

Das konnte aber die brummelnde Zickigkeit nicht wirklich vertreiben.
Letzte optische und millimetrische Änderungen an Cover und Buchblock und das Unterschreiben von Verträgen verstärkten die Unsicherheit. Wird alles gutgehen? Schlimmer als Premierenangst ist das.
Dann drückte der Regen das Gemüt und, wie gemein, die Zucchinis im Garten in Grund und Boden.
Gestern dann endlich die Bestätigung, dass es losgeht.
In der Schwüle schien die Sonne, und Bewegung – ihr kennt das. Ab in die Stadt.
Kurz vor dem Zentrum schwebte ein Posaunenklang an meinem Ohr vorbei, dass ich dachte: ist denn schon Weihnachten?

Nennt man das in Fachkreisen nicht ‚Riestern‘.
Die Drei waren so anrührend, da passte brummeln und zicken nicht mehr.
Da passte viel eher ein Gespräch mit einem Kranführer, der seinen Kran auf – oder abbaute.

P1010193Er erzählte von Knochenmaloche, aber als ich nicke, lacht er.
„Ne,ne. Sind ja nur so große Bolzen.“
Er zeigt mit Daumen und Zeigefinger die Länge eines Schokoriegels. Dann kommen wir über das Kirks Klapphandy zum Beamen, und zum Abschluß erzählte er von einer Schnittstelle zwischen Chip und Gehirn, und das da das Tempo der neuesten Rechner um ein Vielfaches erhöht werden würde.
Diesmal nickte er und sein Helm wippte.
Was kann da schon schiefgehen.
narr

 

Der Clip

P1010172

 

Rot.
Heute ist ein Tag des roten Fleisches.
„Nein, Schatzi. Darf ich dir nicht zeigen rotes Fleisch.“
Meine ich doch auch nicht. Ich meine rotes, verbranntes Fleisch.
Sonnenbrandfleisch, Krebsvorstufefleisch.
Kurze Hosen, Röcke und Ärmel haben Saison. Da sitzt das virginale, weiße Fleisch. Oder hängt.
„Is ja Sommersonne. Die beißt, weißte?“
Verdutzt bin ich schon, da jeder und jede Entgegenkommende die Hautfarbe eines am Strand eingeschlafenen Briten hat.
Das kann doch nicht sein.
Gibt es so viele eingeschlafene Briten in Mendens Innenstadt?
Bruzzeln die denn nicht auf ihrer Insel?
Die Verblüffung weicht, als ich für einen kurzen Moment den Sonnenclip von meiner Brille pflücke.
Plötzlich ist rotes Fleisch rosa. Die Fast – Verbrennungen entpuppen sich als leichte Hautirritationen.
Zeigt mein Clip mir Zukunftsbilder?
Schau durch. Das bist du in vierundzwanzig Stunden?
Mir recht. Lieber einen Clip, der die Zukunft zeigt, als einen Haufen verbrannter Briten in der Innenstadt.

narr