Kuckuck

kein Held
kein Held

Auch wenn ich mettiwetti und den angereisten Eidgenossen Unrecht getan habe, da ich schon kurz vor der Pause gegangen bin, so ließ es sich nicht ändern, da mein psychisches Schwipp-schwapp überzulaufen drohte.
Aber from the beginning.
Schon beim ersten Gang die Stadt herunter feierte Ouzo-Theo sein vierzig jähriges Bestehen in der Stadt. Chapeau und Yamas.
Dann kam mir auf der Höhe Dameris-Köster-Rosier-Hillebrand bei der besetzten Schaukel ein seltsamer Gedanke.
Die Stadt Menden hat die Wippe mit den zwei Stangen aufgestellt, um jungen Mädchen kostenloses Training an der Stange zu ermöglichen.
Eine Etage tiefer, bei dem billigen Backwerk-Bäcker, saßen ungesund und schlecht gepflegt aussehende Menschen mit Zigarette und Kaffee im Pappbecher. Sie musterten die Vorbeigehenden.
„Du meinst aber die ganz Kaputten“, schallte es zu mir herüber, der ich im Vorbeigehen war. Das brachte mich zum Lachen.
Irgendwie dachte ich dann an die Teufelsbrücke, die von Menden-Hafen-Mitte über die Hönne zum Aldi führt.
Bilder von ausrutschenden Menschen flammten in meinem Geist auf mit dem Sub-Text: Das sind aber die ganz Kaputten.
Kombiniert mit meiner vortäglichen Wahlerfahrung, als ich mir die Oberlippe an dem Briefumschlag aufschnitt und Krankenschwestern, die allesamt in schwarzer oder weißer Lack-Leder-Latex-Uniform umherranten, an eine Altenpflegeschülerin erinnerten und mich in meiner Phantasie versorgten,  brachte das mein Schwipp-schwapp ganz gut ins Schaukeln.
Dann setzte ich mich an einen Eiscafetisch, an dem schon die Frau Bauer, der Herr Neuhaus und die Frau Janßen saßen. Die Frau Jansen war frech zu mir, das verstärkte das Schaukeln.
Nachmittags wühlte ich mich, zur Beruhigung, durch den Garten, erlegte Efeu, Giersch und Löwenzahn in der Menge zweier Kubikmeter.
Dann sagte ich zu meiner Tochter: „Ich seh aus, als käme ich gerade von einer SM-Sitzung. Überall Striemen.“
Abends dann, auf dem Weg zum Theater, brannte mein Oberkörper, was mich an Domians Brennesselgeschichte erinnerte.
Es war, als schwebte schon den ganzen Tag eine sehr schräge Vorstellung von Sexualität durch meine Aura.
Das  Theater hatte geflaggt und zusätzlich die Gäste mit dem weißen Kreuz auf rotem Grund begrüßt.
Schön, dachte ich, dass aus anderen Kommunen Europas auch mal Gäste kommen.
Aber schon beim Betreten des Theaters begann das Schaukeln erneut.
Auf einmal rannte da wieder eine Schwester im weißen Lacklederdress herum, ein Ziegenpeter juchzte im Amateurdialekt, die Frau Janßen wollte Geld von mir, keine Erdnüsse auf den Tischen, dafür schweizer Schokolde, Brot und Käse.
Ständig rief mein Hirn: „Er hat sein Brot in den Käse fallen lassen. Bringt mir die Peitsche. Die Peitsche!“
Ich war in einem Klischee gefangen, und als die MusikerInnen ihr Programm begannen, natürlich in schwytzer-ditsch (wobei mir „ditsch“ gerade eingefallen ist und mir gut klingt) war es um mein Schwipp-schwapp geschehen.
Ich driftete durch Zeit und Dialekt, wollte zwischendurch „Kuckuck“ rufen und die Uhren umdrehen und hatte fünfundvierzig Minuten später das dringende Bedürfnis nach Ruhe und Erholung.
Bei sowas höre ich auf meinen Körper, also ging ich leise.

 

narr

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