ein dreifach Hoch auf meine Liebste

Weil am Freitag so viel Regen vom Himmel fiel, vertröstete ich meinen Autisten auf Sonntag.

„Sonntag scheint die Sonne. Wir rennen in der Waldemei und danach gehen wir Pommes essen.“

Freudiges, zustimmendes Nicken.

Sonntag war Strahlewetter, die Party vom Vorabend (war schön, Jörg) steckte noch sektschwer im Blut und in den Knochen, aber versprochen ist versprochen.

Fragt nicht nach Gründen. Eigentlich dampfe ich nur noch elektrisch und rauche eher selten, aber irgendein altes After-Party-Modul ploppte auf und verlangte Kaffee mit Zigarette. Also rauchte ich vor dem Waldlauf zu Hause eine Zigarette, trank Kaffee und bereitete mich mental auf die erste Hetzjagd des Jahres vor.

Der Lauf war klasse, die Pommes gut, und das fette Grinsen auf dem Gesicht meines schweigendem Gegenüber krönte unseren gemeinsamen Auslauf.

Nach getaner Arbeit fuhr ich den Wagen in die Garage und fragte mich während ich das Tor schloss, wieso denn das Küchenfenster aufsteht. Dann sah ich meine Liebste, die gleichzeitig blass war und hektische Flecken im Gesicht hatte. Dann roch ich, dass etwas nicht stimmte.

„Dein Netbook hab ich retten können. Glaub ich.“

Der Flur stank, die Küche stank mehr, das Wohnzimmer war die Krönung und Quelle des Gestanks. Die alte Schlafcouch – im Bettkasten bewahrte ich Farben, Kreide und Papier auf – qualmte postapokalyptisch, der Fußboden schwamm, und der beißende Geruch erinnerte daran, nicht zu tief einzuatmen.

„Das hab ich mir vors Gesicht gehalten.“

Die Liebste zeigte im Flur auf mein Halstuch aus Bilbao.

„Der Rauch war so dicht. Ich hab die Quelle ausgemacht, die Computer von der Couch gepflückt, raus. Der Eimer unter der Regentonne war voll, den geschnappt, rein und über die Couch geschüttet. Fenster auf.“

Ihr Schreck kroch mir langsam unter die Haut.

„Ich scheine wohl getroffen zu haben. Aber da waren keine Flammen. Muss ein Schwelbrand gewesen sein.“

„Meine tapfere Feuerwehrfrau.“

„Der Rauch stand bis oben in meiner Wohnung. Erst dachte ich: ‚Oh. Ist er schon zurück?‘ Dann: ‚Ist der am moxen?‘ Dann bin ich runter.“

Der Schreck sitzt immer noch tief. Erinnerungen an mein abgebranntes Schlafzimmer vor dreißig Jahren – defektes Heizkissen – ist wieder körperlich präsent. Danke, mein Schatz. Du hast uns den Arsch, besser, das Haus gerettet. Ein dreifach Hoch auf meine Liebste.

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