Notizen, während Florian arbeitet

Florian Silbereisen hat sich mit Öl einsprühen lassen, springt speckschwartengleich durch eine Mauer aus Pappkartons, flutscht wie ein geölter Trockenfisch am Band von einem Gerüst auf die Bühne und begrüßt die Fleisch-Heidi Beatrice Egli.
Skihütten-Ross hat seine Eltern mitgebracht und singt das alte Lied von einer neuen Liebe.
Tanzende Teekanne, die nicht mit dem Playback klarkommt.
Es entsteht der Eindruck, seine Tänzerinnen seien von einem Brillenhersteller gesponsort worden.
Ross erzählt, hätte England den Schlager, die Engländer wären bessere Menschen geworden.
Die irischen Happyfeets kommen und und prompt denke ich an steppende Pinguine oder wildgewordene Holzmarionetten.
Der Fußballkaiser gibt seinen Schmarrn ab. Seine Haltung läßt vermuten, er habe seine Beine auf dem Rücken eines ausgeliehenen Sklaven von Katar abgelegt.
Hinterseer singt, und das ist so fad wie es nur geht.
Oje. Jetzt muß das arme Publikum auch noch aufstehen.
Frau Schrowange hat sich in ihre Bluse von Adler gezwängt,während die andere Frau wie Wurst in Latex und/oder Nappa tanzt.
Nee, das Brings nicht, auch wenn sie wie der Schlafanzug der Liebsten aussehen.
Selbst bei dem Text haperts bei Birgit oder Isabell.
Der singende Südafrikaner kommt und sieht wie ein gepimpter Nick Nolte aus. Ich denke, das ist Kunsthaut auf seinem Gesicht.

Nein. Davon bin ich doch in meinem Leben bislang verschont geblieben.
Hüpfende Jungs in Lederhose, bayrische Boygroup.
„Das sind Verrückte,“ meint Florian und zeigt gschamig seine rote Unterhose.
Nach der roten Unterhose singt die rote Armee.
Jetzt käme ein Auftritt der roten Armee Fraktion gerade richtig.
Die könnten auch gleich die drei Harlem Globe Trottel mitnehmen.
Noch so etwas Gruseliges kommt aus Österreich.
Die Mama hält ihn für authentisch. Das ist ja noch schlimmer.
Ein Volkselvis, der singend von oben von den Bergen kommt, während dazu die irischen Pinguine steppen.
Dann singt Bruder Willi aus der gleichen Familie im Weißen Rösserl und wirbelt dazu seine Freundin Christiane immer im Kreis herum.

Ich muß einen Moment Luft schnappen.

Weiter geht es mit tanzenden Nonnen und Pfarrer Florian. Der eremitierte Papst hat vergessen, den auch zu entlassen.
Helene Fischer beschwört glitzernd die Achtziger mit ihrem hochgestellten, spitzen Kragen und singt mit der roten Armee und den Pinguinen.
Das gerät etwas aus dem Takt.
Siro A. Na ja.
Noch ein Seemanslied von Santiano.
Dann kommt die Frau, die höchstselbst ihre Pailetten ans Kleid klebt, in einem Blümchenmini ohne Glitzer.
Waren es vorher die Trommler der roten Armee, sind es jetzt Pseudoquallen und Seepferdchen, die unter dem Dach des Velodroms vor sich hindümpeln.

Die Arbeit ruft, ich gehe freudig und komme erst zurück als Heino singt. Die zu Betreuende liegt im Bett und ich darf endlich ausschalten.

narr

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