Da war was im Kaffee

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„Lassen wir es doch zu einem Tag der gepflegten Halluzinozen und Trugbilder werden. Etwas Besseres als die Realität finden wir überall,“ sagte der Chefredakteur zu seinem JournalistInnenteam.

„Wir sind doch keine Märchentanten,“ empörte sich die Sprecherin des Teams. „Wir haben doch nicht Wahrheit studiert, um uns so etwas sagen lassen zu müssen.“

Vor dem großen Bogenfenster, holzrestauriert, eingeölt und dreifachverglast, flog ein Toaster vorbei. Anstatt Wölkchen spuckte er auf seinem Weg Toasts mit eingebrannten Worten heraus.

– Wohlstand – Wachstum – Wunschvorstellung – Wahnsinn – wehrlos – Wut – wimmern – wählen –

Ein Schütze vom gegenüberliegenden Dach schoß zehn Mal, die Toasts zerplatzten. Tauben stürzten sich im Flug auf die einzelnen Krümel. Der Schütze lachte, hob sein Gewehr und grüßte den Chefredakteur.
Der nickte zurück. Dann klatschte er in die Hände und scheuchte sein Team auf.
„Hopp! Hopp! Improvisiert. Interpretiert. Idealisiert.“
„Ay,ay, Captain.“
Das Team schlug die Hacken zusamnmen.
Einer griff zum Telefon, eine rannte vor die Tür, eine setzte sich vor den Computer, einer goß die Zimmerpflanzen.
Die vor die Tür gerannt war, kam zurück, griff nach einem Fotoapparat und dem Praktikanten, schob Beides vor sich ins Treppenhaus, nahm zwei, manchmal drei Stufen auf einmal, wäre beinahe auf den Asphalt der Straße gefallen und bereitete sich auf den Schmerz vor,  doch sie landete auf einem Bett von plusterigen Tauben, federte einmal kurz nach und stand dann aufrecht.
Gefangen in einer StarTrek Folge, dachte sie. Der Himmel fahlgelb. Wie der Studiohimmel eines Pappplaneten mit unaussprechlichem Namen.
Ein weiblich geschminktes Alien trug Hose und Stiefel wie Kirk und Spock. Aus dem Off kreischte eine Stimme die Anfangsmelodie von den unendlichen Weiten.
Der Tellurianer vor ihr mit blaßblauen Lippen und geringelten Antennen auf dem Kopf zupfte sich den Uniformgürtel mit Kommunikator. Laserzollstock und Futterbeutel für den Tribbel an der Leine zurecht und verzog angewidert das Gesicht.
Welchen Botschafter willst du heute töten, dachte die Journalistin und drückte auf den Auslöser ihres Fotoapparates. Ein bleifstiftdünner, rubinroter Strahl stand plötzlich zwischen Linse und Tellurianer.
Es machte plöpp und grünes, schleimiges Ektoplasma spritzte über den Tribbel.
Sekunden später flackerte über die Redaktionsmonitore die Schlagzeile:
Attentat verhindert! Botschafter nicht mehr in Lebensgefahr.
Dazu als animiertes Bild der zerplatzende Tellurianer.
Der Chefredakteur nickte zufrieden.

narr

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