kleiner Alltagsdialog

Mit Vollgas, extra lauter Sirene und Blaulicht in die Zone.
Fußgänger spritzen zur Seite, und wer das nicht tut, ist der nächste Kandidat.
Ziel ist das Altenheim.

“Ach laßt mich doch sterben,” fleht ein alter Mensch.

“Nein,“ sagt der Krankenfahrer.

“Nein,“ sagt die Altenpflegerin. “Das dürfen wir nicht. Wir helfen ihnen.”

“Wozu? Ich hab das Ende meines Weges erreicht.”

“Das wissen sie doch gar nicht.”

“Sie etwa?”

“Nein, aber wir sind durch das Gesetz gebunden.”

“Ein Gesetz? Tinte auf Papier sagt, dass ich nicht sterben darf? Was sind das für Menschen, die Menschen mit solcher Niedertracht quälen.”

“Wir wollen sie nur am Leben erhalten.”

“…sagte der Folterknecht zu seinem Opfer.”

“Nun machen sie mal halblang.”

“Es ist gegen meinen Willen. Sie stechen mich, sie quälen mich in meinen kranken, letzten Stunden.”

“Wir machen sie wieder gesund.”

“Und sie lügen schamlos. Können sie nachts ruhig schlafen, Dr. Folterknecht?”

“Das gibt jetzt einen kleinen Pieks. Wir müssen ihrem Körper Flüssigkeit zuführen. Sie sind völlig ausgetrocknet.”

“Will nicht trinken. Hab keinen Hungen. Wo ist denn meine Frau?”

“Aber die ist doch schon ein paar Jahre tot.”

“Quatsch. Die war gerade noch hier. Die hat mich geschubst. Deswegen liege ich doch hier.”

“Möchten sie lieber im Sessel sitzen, oder auf dem Bett liegen?”

“Sessel. Gleich kommt mein Sohn aus der Schule. Wir wollen doch auf die Parade. Ludwig Erhardt soll auch dabei sein.”

“Dann ruhen sie sich besser etwas aus. So eine Parade ist anstrengend.”

“Stimmt. Aber sie wecken mich rechtzeitig?”

“Selbstverständlich.”

narr

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