früh morgens

Schnellstart, weil verschlafen.

Die Nacht war seltsam.

Um Mitternacht in´s Bett, um drei Uhr aufgeschreckt wegen Gepolter von oben und knarrenden Kellertüren.

Herzklopfen und hellwach. Aufstehen, anziehen, nachschauen.

Oben alles in Ordnung, die dicke Katze macht Hürdenspringen.

Keiner im Keller, keiner im Flur, dann war das wohl die andere Katze, zurück vom Rundgang in ihrem Revier.

Hellwach jetzt. Draussen im Garten ist es kühl.

Frische Sommernacht.

Der Geruch erinnert den narren an einen Turnwettkampf in Garbeck. Weniger an den Wettkampf als vielmehr an die Nacht danach.

Die Turnhalle war klein, aus Stein, selbst der Hallenboden besass die Flexibilität von gesundem Granit. Die Feier danach ging bis um vier mit vielviel Alkohol.

Die TuS Lendringser wurden von den SV Mendenern immer neidvoll wegen ihres Alkoholkonsums bewundert.

Beim Deutschen Turnfest in Stuttgart waren sie so betrunken gewesen, dass einer bei der Riesenfelge am Reck abschmierte, mit dem Rist beider Füße vollwuchtig auf die Reckstange knallte und sich alle Knochen im oberen Fußbereich brach.
Das ist aber nur Nebenschauplatz der Erinnerung. Sozusagen ein folkloristisches Element am Rande.
In der Nacht von damals roch es ähnlich. Kalte, frische, morgendliche Sommerluft.

Der narr wollte nach Hause. Halb vier, das Bier Oberkante Unterlippe, die Taxen so weit entfernt und auch gar nicht bezahlbar, also schlingernder Fußmarsch. Noch war es totenstill. Die Felder schliefen, die Bäume, Gräser und Sträucher ebenfalls.
Wie ein geschlossener Reißverschluss lagen die Bahnschienen schnurgerade auf des narren Weg. Das Eisen der Schienen glänzte feucht vom Tau, die Bahnschwellen lagen so weit auseinander, dass der narr gezwungen war zu trippeln oder zu schreiten.

Im betrunkenen Zustand keine bequeme Alternative.

“Von Garbeck Richtung Balve? Immer den Schienen nach,” hatte der Lendringsner Trainer gelallt.

Immer den Schienen nach.
Also marschierte der narr in das aufgehende Morgenlicht. Vorbei an vereinzelten Bauernhäusern, vorbei an Futtersilos, immer die frische, nagelneue Luft schlürfend.
Und bei dem kleinen Sägewerk machte der narr Rast auf einem Holzstoß, der direkt neben den Schienen aufgeschichtet lag.

Und da war die Zusammensetzung des Geruches genaus so, wie sie den narren jetzt in der Nase kitzelt.
Der Holzstoß machte einen bequemen, gemütlichen Eindruck, weswegen der narr sich dort ein kurzes Nickerchen gönnte, bis die Feldlerche unbedingt ihr Morgenlied anstimmen musste.

 

narr

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