Die verruchte Bäckerin

Die verruchte Bäckerin ist wieder unterwegs.

Also gebt Obacht, Frauen dieser Stadt.
Die Gedanken eurer Männer sind in Gefahr.
Denn eines hat die verruchte Bäckerin nie mit sich machen lassen.

Kein Mann durfte sie je anfassen, streicheln oder gar berühren. Kein Mann durfte sich bislang mit ihr vereinen, und die, die es unbedingt wollten, sind an gebrochenem Herzen gestorben.
Denn das, was die verruchte Bäckerin in ihnen weckt, sind Begehrlichkeiten, die keine andere Frau erfüllen kann.

Ein Blick von ihr im Vorbeigehen reicht für eine Handvoll Ejakulat.
Ein Wort von ihr würde genügen, und Väter hätten ihre Kinder verkauft.

Hexe, flüstern die anderen Frauen. Hexe, Hexe Hexe. Und sie herrschen ihre Männer an, was denn so Besonderes an ihr sei.

Was sollen die Männer sagen?
Achselzucken ist die Antwort. Kopfschütteln, Erektion und fleißig Speichelbildung. Es gibt keine Erklärung.

Nur Fakten. Sieben Selbsttötungen in drei Jahren, zweiundzwanzig zerrüttete Ehen, drei ermordete Ehefrauen.
Zweimal stand sie vor Gericht. Beide Male nur, weil ihr Namen bei den Verhören so oft gefallen war.

“Doch, Euer Ehren. Sie wollte das.”

“Hat sie das gesagt. Hat sie ihnen gesagt: töte deine Frau?”

“Nein. Niemals.”

“Wie können sie dann behaupten, es sei ihr Wille gewesen?”

“Sie hat mich angeschaut, und ich war mir so sicher.”

Im ersten Prozess war es ein Richter. Es ging über eine erste Befragung nicht hinaus.
Im zweiten Prozess war es eine Richterin, aber jeder aufgerufene, männliche Zeuge entlastete die Angeklagte.
Die verruchte Bäckerin ist nicht ausnehmend hübsch, hat keine Figur, die den aktuellen Modetrends folgt.
Ihre körperlichen Merkmale entsprechen in vollem Umfang einer Untersuchung, die wissenschaftliche Institute Jahre vorher, mit einer represäntativen Anzahl von Männern durchgeführt haben.

Diese Männer trugen in diesem Versuch eine Tracker-Brille. Eine, die speichert, wohin die Augen blicken.
Es wurden ihnen eine Anzahl von Frauen vorgeführt. Aus den gespeicherten, unterschiedlichen Blickwinkeln bauten die Wissenschaftler eine virtuelle Person, eine Figur, die für fast alle Männer eine gewisse Attraktivität bot.

Diese Figur entsprach in allen Einzelheiten der Venus von Willendorf. Urmutterhaft.
Das entspricht durchaus dem Äußeren der verruchten Bäckerin.

Dazu kommt eine raubtierhafte Neugierde in ihren Augen, oft verbunden mit einem leisen Schmunzeln und Funkeln. Sie läßt unbeugsame Kraft vermuten. Willenskraft. Und Humor.

Die Geschichten ihrer fast öffentlichen, übersprudelnden Autoerotik erfüllten Stammtischgespräche noch über Jahre.

Und jeder Mann wünscht sich, dabei gewesen zu sein.
narr

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