Statusmeldung

Morgens um 6.30 Uhr,

Schneematsch fällt in Brocken vom Himmel, die Nacht war, gepuscht mit einem Liter Adrenalin, nicht zum Schlafen da.

Filiale 43 ist noch geschlossen, also weiter durch die Stadt.

Der Schneematsch kühlt die durchwachten, geschwollenen, brennenden Augen. Es schmerzt in der Seele, bei Kamps zu konsumieren.

Allein die Vorstellung, mein Geld, und sei es auch noch so wenig, unterstütze dieses unsäglich unerträgliche, blonde Plappermaul, verheiratet mit dem Sohn des Brötchenmagnaten, verursacht Unbehagen, fast so massiv, als würde mir das Brezelgesicht im Fernsehn begegnen. Aber der Hunger ist grösser.
Die Huste-Röchel Frau mit gurgelndem Sputum steht auf Battenfelds Wiese mit einem Dobermann, während sie, wie überraschend, raucht.

Das Fell des Hundes, sonst braun und glänzend, ist mit einem leicht gelblichen Film überzogen, Nikotinpatina. Seine Pfoten hinterlassen klebrige Spuren auf dem Asphalt der “Wiese”.
Ich kann die kleine Freude Harry Hallers um kleinbürgerliche Sauberkeit und Einrichtung durchaus nachempfinden. Mir gehen solche Dinge auf die Nerven.

Teddybärnippesunsertäglichbrotgibunsheute.
Wie unhöflich, mit Leuten im Cafe in der Lautstärke zu reden wie Bauarbeiter auf dem Markt rund um den Stehtisch, gefüllt mit Wurstbrot und Bier.

Jeder im Cafe weiss jetzt, dass Michael in Thailand ist, dass ein Redner (Brüller) Last mit Gerstenkörnern hat, während der Andere ständig Blitze in seinen Augen sieht.

Beide sind stolz, Rentner, gutsituiert und deutsch zu sein.

“Gestern hab ich mich, bin ja privatversichert, schick, na ja, richtig gut für den Doc angezogen. Bin auch sofort drangekommen. Da saßen auch Ausländer, schon länger, die haben vielleicht blöd geschaut.”

Deutschliberal und deutschnational. Was für eine unselige Mischung. Den Deutschen liegt nicht nur der Rohrstock tief im Blut, der Nationaldreck ist genetisch angelegt.
“Und jetzt besitzen die noch die Dreistigkeit, hier eine Moschee bauen zu wollen. Mit Kuppel und Minarett. Unmöglich. Wir sind tolerant, aber das geht zu weit.”

Und wenn wir ehrlich sind, und ein gewisser Reifungsprozess liegt schon hinter uns, und wir sind in der Gesellschaft angekommen, tragen Verantwortung, haben schulpflichtige Kinder und einen kulturell umfassenden Hintergrund, dann finden wir es doch irgendwie auch richtig, wenn der kleine Dunkelhäutige da in der Spülküche steht, oder die Frau mit dem Kopftuch den Flur wischt.
narr

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